Die große Hitze
- In halb Europa brennen die Wälder, ganz Österreich schwitzt

Klima-Chaos: Irrer Sommer mit Temperaturen bis zu 50 °C, Wassermangel und Waldbränden.
In Wien herrscht derzeit ein Klima wie normalerweise in Palermo. Und daran dürfte sich auch in Zukunft nichts ändern.“ Wie zur Untermauerung dieser Aussage von Stefan Schleicher, Vorsitzender des österreichischen Klimaforschungsprogramms „Austroclim“, liefert die Statistik die passenden Zahlen dazu. In der Bundeshauptstadt wird diesen Sonntag ein historischer Hitzerekord fallen: Aufgrund der nicht enden wollenden Hitzewelle wird dann auf der Hohen Warte bereits der 29. Tag in diesem Sommer jenseits der 30-Grad-Marke registriert werden – der bisherige Rekord datierte aus dem Supersommer 1994 mit 28 so genannten Tropentagen.
Spitze bis 39 Grad. Spitzen bis zu 39 Grad und seit 200 Jahren hat keine Hitzewelle länger gedauert. In Graz und Innsbruck ist die Rekordmarke bereits im Laufe dieser Woche gefallen. Graz verzeichnete am vergangenen Dienstag bereits 32 Tage mit Tropentemperaturen.
Ganz Österreich schwitzt – und ein rasches Ende der Hitzewelle ist noch nicht abzusehen. Die Freibäder verzeichnen seit Wochen Rekordbesuche. Im Wiener Stadionbad tummeln sich an Spitzentagen bis zu 17.000 (!) Erfrischungssuchende in den inzwischen eng gewordenen Becken. Wer nach 10 Uhr vormittags Einlass begehrt, hat Pech gehabt. Die „blaue“ Fahne verdammt Langschläfer zum Weiterschwitzen. Denn Abkühlung gibt es in ganz Österreich außerhalb der Bäder nicht.
Europa brennt. Dabei ist die Situation in Österreich noch längst nicht so krass wie in den Ländern rund ums Mittelmeer. Von Kroatien über Frankreich, Spanien bis nach Portugal stehen 800.000 Hektar Wald in Flammen. In den schlimmsten Waldbränden seit Menschengedenken sind bereits 50 Menschen gestorben. Mangelndes Löschwasser und immer wieder durch Brandstiftung neu entfachte Brände haben in weiten Teilen Portugals, Spaniens und Frankreichs längst Katastrophenalarm ausgelöst. Durch Wassermangel ist in vielen Ländern auch die Stromversorgung bedroht.
Klima spielt verrückt. Grund für die tropischen Temperaturen in ganz Europa – genau ein Jahr nach der Jahrhundertflut – ist der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur. Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: „Die extremen Wetterereignisse wie Fluten, Stürme oder lange Hitze- und Dürreperioden haben sich in den letzten 50 Jahren mehr als vervierfacht. Die Ursache ist der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur.“ Diese ist im Alpenraum im vergangenen Jahrhundert um zwei Grad angestiegen. Gerstengarbe: „Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen. Die Folge sind Starkregen, die im vergangenen Jahr zu den Flutkatastrophen in Mitteleuropa geführt haben. Heuer kann es nach der derzeitigen Hitzewelle jederzeit wieder zu einer Flutkatastrophe kommen.“
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PLUS: Hitzepole: Die heißesten Orte und Seen
PLUS: Hitzehölle: Wo Europa brennt
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