Mittwoch, 6. August 2003

Streit um 160: Der Tempostreit spaltet das ganze Land

  • Wer für den VP-Vorstoß ist. Was Experten, Politiker & Opfer zum Tempo-Irrsinn sagen.
  • 57 Prozent der Österreicher sind gegen Tempo 160, 40 % dafür. Nur die FPÖ-Anhänger wollen Vollgas geben.

Es war bei Tempo 160, als eine Leitschiene die Irrsinnsfahrt und beinahe auch sein Leben beendete. Jetzt sitzt Elvir C. mit zersplittertem Becken, gebrochenem Ober- und Unterschenkel und völlig zerstörten Fußknochen im Rollstuhl in der Rehabilitationsklinik „Weißer Hof“. Monate wird es noch dauern, bis der 29-jährige Vater zweier Kinder wieder gehen wird können.

Crash bei 160 km/h. Dutzende Operationen hat der Eisenstädter bereits hinter sich: „Die Tachonadel war bei 160, als ich die Kontrolle über meinen Wagen verloren hab. Ich bin ins Schleudern gekommen, konnte nicht mehr gegenlenken – und mein Auto prallte gegen die Leitschiene.“

Zu den körperlichen Problemen kommen die finanziellen: Elvir C.s Familie lebt ohne den Erhalter am Rande des Existenzminimums. Die Zukunft ist ungewiss: „Ich muss mich ja erst einmal auf einen anderen Beruf umschulen lassen.“ Nur eines weiß er: „Dass ich nie wieder so schnell fahren werde – denn nur ein kleiner Moment der Unsicherheit kann bei solch einer Geschwindigkeit eine Katastrophe auslösen.“

Land der Raser. Das Schicksal des Burgenländers ist exemplarisch dafür, was Österreichs liebster Freizeitwahn, das Tempobolzen, anrichten kann. Rund 1.000 Menschen sterben jährlich im Straßenverkehr – über ein Drittel wegen Raserei. Mit fast geschmackloser Treffsicherheit sorgt da der „Tempo 160“-Vorschlag des steirischen ÖVP-Klubobmanns Christopher Drexler für den Polit-Erreger des Sommers: „Tempo 160 auf den heimischen Autobahnen bei Vollausbau und gutem Wetter wäre ein richtiger Schritt hin zu mehr Ehrlichkeit. Denn meine Beobachtungen aus der Praxis zeigen: Es hält sich eh fast niemand an die 130er-Beschränkungen …“.

Die erste „160“-Umfrage. Zumindest damit dürfte Drexler Recht haben. Wie es auf den Autobahnen um die Geschwindigkeitsmoral der Österreicher bestellt ist, zeigt eine aktuelle NEWS-Umfrage: Satte 52 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich grundsätzlich nicht an die vorgeschriebene 130 km/h-Grenze halten. Dazu kommt: Immerhin 40 Prozent sprechen sich vehement für den steirischen Raser-Vorschlag aus und wollen in Zukunft legal Tempo 160 auf der Autobahn fahren. Tröstlich: Noch ist die Mehrheit der Österreicher – nämlich 57 Prozent – eindeutig gegen die Lizenz zum Rasen.

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PLUS: Interview mit Ch. Drexler
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6.8.2003 16:09