voestalpine-Chef Struzl stellt am Freitag Vertrauensfrage
- Gerüchte sprechen von einem möglichem freiwilligen Rücktritt
- Designierter Nachfolger Eder könnte mit sofortiger Wirkung nachrücken
·Streit um Struzl
VOEST-Chef in arger Bedrängnis
Der Vorstandsvorsitzende der voestalpine AG, Franz Struzl, wird am Freitag die Vertrauensfrage stellen und bis dahin keine Erklärungen mehr abgeben. Bisher war davon auszugehen, dass Struzl, der wegen privater Aktiengeschäfte vom Juli 2002 massiv unter Insiderverdacht geraten ist, vom 15-köpfigen voestalpine-Aufsichtsrat mehrheitlich das Vertrauen ausgesprochen wird.
So wird angenommen, dass die fünf Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, die ihr Stimmverhalten heute Mittwoch festlegen wollen, geschlossen für den Verbleib Struzls stimmen werden.
Gerüchte: Freiwilliger Rücktritt?
Von den zehn Kapitalvertretern im Aufsichtsrat äußerte sich der Wiener Notar Stefan Kralik, der Vertreter der Kleinaktionäre, laut "OÖ Nachrichten" vom Dienstag zu einer Entlastung von Struzl mit Vorbehalt. Kralik befürchtet, dass das Unternehmen Schaden genommen habe. Die "OÖN" berichten von "Insidergerüchten", dass Struzl von sich aus abdanken und am Freitag seinen designierten Nachfolger, den Chef der VA Stahl Linz GesmbH und der aufstrebenden Division motion, Wolfgang Eder, zur sofortigen Bestellung empfehlen werde.
voestalpine dementiert
Diese Version wird freilich von offizieller voestalpine-Seite dementiert. "Davon habe ich noch nie gehört", zitieren die OÖN voestalpine-Sprecher Wilhelm Nitterl. Und Struzls Anwalt Christian Hausmaninger bekräftigt: "Wir haben alles offen gesagt. Die Sache ist erledigt".
Struzl gerät immer mehr unter Druck
Im Lauf dieser Woche haben neue Details die Situation für Struzl verschärft. Laut dem Wochenmagazin "profil", das aus vertraulichen Protokollen zitiert, habe Struzl im Juli 2002 entgegen bisheriger eigener Darstellung bei seiner Hausbank nicht einen, sondern drei Aufträge zum Erwerb von Aktien des damals noch börsenotierten Weichenbauers VAE platziert. Die ursprüngliche Order vom 3. Juli 2002 sei am 10. Juli storniert und durch einen neuen Kaufauftrag mit einem Kurslimit von 150 Euro je VAE-Aktie ersetzt worden.
Ein gleichlautender Auftrag sei mit 11. Juli erteilt worden, womit Struzl insgesamt 3.000 VAE-Aktien zum Preis von 419.000 Euro geordert haben soll. Struzl-Anwalt Hausmaninger dementiert dies jedoch. Der voestalpine-Chef habe nur eine Order am 3. Juli getätigt, wie diese umgesetzt worden sei, sei Sache der Hausbank, argumentierte Hausmaniger.
Die Vorgeschichte
Am 7. Juni 2002 hat der voestalpine-Vorstand laut "profil" beim Aufsichtsrat den Antrag gestellt, die Totalübernahme der VAE AG von der deutschen Vossloh zu genehmigen. Damals hielt der deutsche Vossloh-Konzern 45,3 Prozent an VAE, die im Juli 2002 an die voestalpine, die bereits mit ebenfalls 45,3 Prozent an VAE beteiligt war, verkauft wurden. Über ein Abfindungsangebot von 221,5 Euro je Aktie an die Streubesitzaktionäre holte sich voestalpine dann die VAE zur Gänze. Struzl hatte seine VAE-Aktien jedoch zuvor zu deutlich tieferen Kursen von 130 Euro erworben und damit per Jänner 2003 einen Kursgewinn von rund 250.000 Euro erzielt.
Die Finanzmarktaufsicht vermutete in dieser Transaktion ein Insidergeschäft und hat deshalb Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet.
Spenden als Schuldgeständnis
Struzl hat den im Jänner 2003 nach der Abfindung der VAE-Streubesitzaktionäre erzielten Kursgewinn von 250.000 Euro karitativen Einrichtungen (Krebsstationen) gespendet. Im Rahmen einer "Diversion" (außergerichtliche Einigung) wegen Nichtmeldung seiner Aktienkäufe - was einen Verstoß gegen das Börsegesetz darstellt - führte Struzl außerdem 50.000 Euro an den Bund ab.
Für den Leiter der Staatsanwaltschaft Wien, Friedrich Matousek, war die Vorgangsweise von Struzl ein Schuldeingeständnis.
"Kein Schönheitspreis für die Aktion"
voestalpine-Aufsichtsratschef Rudolf Streicher kommentierte den fragwürdigen Aktienkauf mit: "Einen Schönheitspreis gewinnt diese Aktion nicht", was auch sein Stellvertreter im voestalpine-Aufsichtsrat, ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch, am vergangenen Samstag unterstrich.
Zur Frage, ob Struzl trotz der VAE-Transaktion Chef der voestalpine bleiben könne, sagte Wieltsch, dass sich zu Gunsten von Struzl "offensichtlich eine Mehrheit bildet". Dennoch bezeichnete Wieltsch die Frage, ob Struzl bleiben werde, als "noch Spekulation". (apa/red)
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