Happy End für den Mann aus Hollywood
- Haim Saban steht vor Einstieg ins deutsche Fernsehen
Monatelange Dramen und Rückschläge - jetzt endlich doch ein Happy End: Haim Saban, der Mann aus Hollywood, steigt erfolgreich in die deutsche Fernseh-Landschaft ein. Saban übernimmt, wenn nicht wieder in allerletzter Minute böse Überraschungen passieren, die ProSiebenSat.1-Fernsehgruppe.
Haim Saban hat sich ganz allein nach oben gearbeitet. Der Sohn eines Kaufmanns und einer Näherin wuchs in Ägypten und Israel auf. Seine Karriere startete er als Konzertagent in Israel. In seiner Zeit als Musikproduzent in Paris schuf er anschließend unter anderem die Titelmelodie von "Dallas". 1983 zog er nach Los Angeles, wo er zunächst Musik für Zeichentrickfilme und später auch Kinder- Fernsehsendungen machte. 1995 gründete er ein Joint Venture mit Newscorp.
Der große Coup gelang Saban im Jahr 2001. Für insgesamt 5,3 Mrd. Dollar (4,68 Mrd. Euro) verkauften er und Newscorp das Gemeinschaftsunternehmen Fox Family Worldwide an den Disney-Konzern. Das Unternehmen vertreibt unter anderem die Zeichentrick-Serie "Power Rangers", deren populäre US-Version Saban geschaffen hatte. Einen Namen in den USA machte sich Saban auch als großzügiger Spender an die Demokratische Partei und für wohltätige Zwecke.
Ein neues, von den Banken als seriös eingestuftes Finanzierungskonzept für ein Angebot über gut eine Milliarde Euro hatte Saban jetzt nach einem verpatzten ersten Versuch in Deutschland zurück ins Rennen gebracht.
US-Milliardär Saban hat offenbar gewichtige Unterstützer gewonnen: Mit zehn Prozent soll Medienberichten zufolge der Springer-Verlag an der Sendergruppe beteiligt werden. Außerdem sollen fünf Investmenthäuser an Sabans Seite stehen. Und diese breite Beteiligung scheint die Rückkehr Sabans in das wichtigste Geschäft auf dem privaten deutschen Fernsehmarkt seit Jahren ermöglicht zu haben.
Was Saban bekommen soll, ist seit seinem Rückschlag im Juni weniger geworden - aber vielleicht auch deshalb besser zu finanzieren.
Während die Gläubiger ursprünglich die Senderfamilie ProSiebenSat1 und Kirchs Filmbibliothek gemeinsam verkaufen wollten, wird das Spielfilmarchiv mittlerweile getrennt angeboten. Ein Käufer ist aber noch nicht gefunden.
Aufgewachsen in Ägypten und Israel
Doch richtet sich das Interesse des in Ägypten und Israel aufgewachsenen Saban ohnehin mehr auf das Fernsehgeschäft. Schon früh nannte er es eine einmalige Chance, sich etwa die Hälfte des Werbemarkts im deutschen Fernsehen sichern zu können. Um diesen Markt lieferte sich der selbstbewusste Geschäftsmann einen hollywoodreifen Poker mit dem Hamburger Verleger Heinrich Bauer: Obwohl dieser eigentlich Ende vergangenen Jahres als neuer KirchMedia-Besitzer feststand, schaffte es Saban mit großem Geschick und einem immer weiter verbesserten Angebot zurück ins Geschäft. Bauer gab schließlich entnervt auf.
Der Deal soll jetzt endlich in trockene Tücher gebracht werden; die Banken wollen das Geschäft möglichst schnell machen und am liebsten binnen einer Woche Geld sehen. Die Zuschauer von ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 werden vom neuen Besitzer aber wohl wenig merken. Er werde nicht Programmdirektor, und das Programm werde von unabhängigen Managern gemacht, versicherte Saban stets.
(afp, red)
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