Samstag, 9. August 2003

Liberia: Neuer Konflikt zeichnet sich ab

  • Rebellen lehnen Nachfolger von Taylor ab

Kurz vor der geplanten Machtübergabe in Liberia zeichnet sich bereits ein neuer Konflikt ab. Die Rebellen lehnen den bisherigen Vizepräsidenten Moses Blah als Nachfolger für Präsident Charles Taylor ab. "Wir können ihn auf keinen Fall akzeptieren, er ist ein zweiter Taylor, und wir wollen einen neutralen Präsidenten", sagte ein Sprecher dem französischen Sender RFI.

Unterdessen bemühen sich Vertreter der westafrikanischen Eingreiftruppe ECOMIL und US-Diplomaten weiter, die Rebellen zum Abzug aus dem Hafenviertel von Monrovia zu bewegen. Dort lagern Hilfsgüter für die hungernde Bevölkerung. Bei einem Treffen am Vortag hatten die Rebellen betont, sie wollten das Gelände erst nach der Abreise Taylors aufgeben.

Taylor will am Montag zurücktreten
Der Staatschef hat offiziell für diesen Montag seinen Rücktritt angekündigt, den Zeitpunkt seiner Abreise aber offen gelassen. Angeblich wolle er noch am selben Tag nach Nigeria ins Exil gehen, berichtete die UNO-Nachrichtenagentur IRIN unter Berufung auf diplomatische Quellen. Taylor wird wegen seiner mutmaßlichen Verwicklung in den Bürgerkrieg im Nachbarland Sierra Leone mit internationalem Haftbefehl gesucht. Er verlangte mehrfach vor einer Ausreise die Aufhebung des Haftbefehls.

Spätestens am Mittwoch wollten Vertreter der Regierung und der beiden Rebellengruppen in der ghanaischen Hauptstadt Accra ein Friedensabkommen unterzeichnen. Darin sei unter anderem die Bildung einer zweijährigen Übergangsregierung vorgesehen, berichtete IRIN. (apa)

9.8.2003 11:41