Bürgerkrieg in Liberia: Taylor bekräftigt Rücktrittsabsichten
- Powell fordert Anklage gegen Taylor auch im Asyl
Liberias Präsident Taylor hat bekräftigt, am Montag zurückzutreten und das Amt seinem Stellvertreter Blah zu übergeben. In Abwesenheit des Präsidenten traten die beiden Kammern des Parlament in Monrovia zu einer Sondersitzung zusammen, um über eine Nachfolgeregelung zu beraten. Soldaten der westafrikanischen Friedenstruppe ECOMIL nahmen ihre Patrouillengänge durch die Hauptstadt auf.
In einem CNN-Interview sagte Taylor am Donnerstag: "Der Vizepräsident wird am Montag vereidigt werden." Diesen Termin hatte Taylor bereits am Samstag genannt. In den vergangenen Tagen waren aber widersprüchliche Äußerungen zu seinen Rücktrittsabsichten bekannt geworden.
Rebellenführer Conneh bekräftigte bei einem Besuch in Paris seine Zweifel an Taylors Rücktrittsabsicht. Das Versprechen des Präsidenten sei "nichts wert", sagte er in einem Interview mit der französischen Zeitung "Figaro".
Der Chef der Rebellengruppe LURD erklärte sich einverstanden damit, die internationale Kriegsverbrecherklage gegen Taylor fallenzulassen, um dem Präsidenten einen Gang ins ausländische Exil zu erleichtern. Der südafrikanische Präsident Mbeki will Anfang kommender Woche nach Monrovia reisen, um der Übergabe des Präsidentenamts beizuwohnen.
Die ECOMIL-Soldaten wollen zunächst keine Kontrollpunkte einrichten und auch nur in dem Teil Monrovias patrouillieren, den die Regierungstruppen von Präsident Taylor kontrollieren. In den von Rebellen gehaltenen Stadtvierteln sollten die Rundgänge frühestens nächste Woche beginnen.
Die Friedenstruppen beschlagnahmten am Donnerstag eine Ladung Waffen, die möglicherweise unter Umgehung des UN-Rüstungsembargos für die liberianische Regierung bestimmt war. Am Flughafen Robertsfield wurden in zwei Lastwagen Raketenwerfer, automatische Waffen und Munition gefunden worden.
Powell fordert Anklage gegen Taylor auch im Asyl
Präsident Taylor sollte nach Ansicht von US-Außenminister Colin Powell auch dann wegen Menschenrechtsverletzungen angeklagt werden, wenn er das Asylangebot Nigerias annehmen sollte. Powell betonte am Donnerstag in Washington, er hoffe, dass Taylor möglichst bald Liberia verlasse.
Dies berühre aber nicht die Absicht, ihn vor Gericht zu stellen. Die USA unterstützten dieses Vorhaben. Gegen Taylor liegt wegen seiner Verwicklung in den Bürgerkrieg in Sierra Leone ein internationaler Haftbefehl eines von den Vereinten Nationen unterstützten Sondergerichts vor.(apa/red)
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