Mittwoch, 6. August 2003

Irakische Schiiten fordern islamische Republik

  • Regierungsrat eine "Scheinvertretung"

Eine irakische Schiitengruppe hat sich für die Gründung einer "unabhängigen islamischen demokratischen Republik" im Irak ausgesprochen, die aber nicht dem Muster des Nachbarlandes Iran folgen soll. "Wir wollen einen Staat, der keine Verbindung mit irgendeinem anderen Staat der Region hat", so am Mittwoch der Präsident des "Hohen Rates für die Befreiung des Irak", Mahdi al Awadi.

Den von den USA eingesetzten provisorischen "Regierungsrat" nannte Awadi eine "Scheinvertretung, an die wir nicht glauben". Was er sich genau unter einer "islamischen demokratischen Republik" vorstellt, erklärte Awadi nicht. Die US-Armee hatte im Juni einen Fernsehsender in der Schiiten-Hochburg Najaf wegen "Aufrufs zur Gewalt gegen US- Soldaten" geschlossen, an dem Awadi beteiligt war.

In dem Übergangsrat aus 13 Schiiten, fünf Sunniten, fünf Kurden, einem Christen und einer Turkmenin ist die vom Iran unterstützte Schiiten-Bewegung "Oberster Rat für die Islamische Revolution im Irak" (SCIRI) unter Ayatollah Mohammed Bakr el Hakim vertreten, obwohl der iranische oberste geistliche Führer Ayatollah Ali Khamenei die gesamte islamische Staatenwelt zum kollektiven Widerstand gegen die von den USA errichtete "Kolonialverwaltung" im Irak aufgerufen hatte.

Der arabische Fernsehsender "Al Jazeera" hat unterdessen am Mittwoch erneut über neue Angriffe auf US-Soldaten im Irak berichtet. Am Mittwochmorgen hätten Angreifer in der Nähe von Bakuba zwei amerikanische Militärfahrzeuge beschädigt. In Ramadi sei ein US- Quartier angegriffen worden. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert. Über mögliche Opfer gab es keine Angaben. Am Dienstag war bei Tikrit ein US-Firmenvertreter durch eine Explosion ums Leben gekommen.

(apa)

6.8.2003 09:26