Dienstag, 5. August 2003

US-Militär: Suche geht weiter! Ex-Diktator in Tikrit?

Wo ist Saddam Hussein? Mit modernster Techik geht die Suche nach der Nr. 1 der US-Fahndungsliste weiter. Nachdem letzte Woche mehrere enge Gefolgsleute bei Tikrit geschnappt wurden, wird der ehemalige Diktator vor allem hier vermutet. Die Hoffnung des 229. Bataillon ist nicht besonders groß, denn die irakische Wüste und die umliegenden Städe zeigen sich sehr breitflächig.

Ausgestattet mit hochmodernen Nachtsichtgeräten erleichtert der US-Armee die Suche: den Blick hinüber zu der verdächtigen Häusergruppe in einem Dorf nahe Tikrit. Seit Stunden liegt der Spähtrupp vom 229. Bataillon hier auf der Lauer und hofft, dass das gänzlich Unvorstellbare doch einmal eintritt, dass irgendwann der entmachtete Staatschef Saddam Hussein vor den Objektiven vorbeihuscht, vielleicht in der trügerischen Hoffnung, die Nacht und die Weite seines früheren herrschaftlichen Kerngebiets böten ihm Schutz.

Groß ist ihre Hoffnung nicht. Die Häusergruppe ist nur ein kleiner Fleck auf der Landkarte der Republik Irak, die beinahe 438.000 Quadratkilometer misst. "Ich glaube einfach an einen Erfolg, weil er mir erlauben würde, bald nach Hause zurückzukehren", sagt Leutnant Gary Powell. Der 24-Jährige liegt hier in diesem verlassenen Winkel auf der Lauer, weil US-Soldaten zuvor einige Autos entdeckt hatten, die trotz der Ausgangssperre in der Dunkelheit unterwegs waren und eben jene Häusergruppe ansteuerten, die nun im Visier der Späher liegt. "Wir erkunden diese Orte für unsere Streitkräfte, um ihnen ganz genau mitteilen zu können, was sie im Fall eines Einsatzes erwartet", sagt Sergeant Timothy Hixson.

Im Quartier der Streitkräfte schlägt sich der Einsatz in einem knappen Eintrag auf einer Landkarte der Gegend wieder. Nach und nach füllt sich die Karte mit Details, die für einen Einsatz wichtig sein könnten. Das Feindbild ist klar, die Soldaten machen sich Mut: "Ich glaube, dass Tikrit seine letzte Konfrontation sein wird", sagt Troy Smith über Saddam Hussein. "Er kann nirgendwo sonst hingehen. Wir werden ihm und seinen Leuten das Rückgrat brechen." Sein Kamerad Edmond Hallmark ist sich sicher: "Saddam Hussein spürt bestimmt, dass ihm die amerikanischen Streitkräfte auf den Fersen sind."

Anders als viele Sparten der Streitkräfte haben die US-Spähsoldaten Leisetreterei zu ihrem Prinzip gemacht. Geleitet von computergesteuerten Ortungssystemen rollen ihre Fahrzeuge ohne Licht auf leisen Reifen auch durch die dunkelste Nacht. Kompaniechef Ron Zimmerman betont zufrieden: "Unsere Leute sind ausgebildet, um besonders diskrete Erkundungen auszuführen."

In der Gegend um Tikrit sind die Späher besonders aktiv, gilt die Heimatstadt des früheren Machthabers doch als dessen wahrscheinlichster Zufluchtsort. Mehrere enge Gefolgsleute Saddam Husseins wurden hier kürzlich geschnappt, sogar ein Leibwächter ging den Truppen ins Netz. Vor wenigen Tagen hatten US-Soldaten den Gesuchten nach Einschätzung der Armee nur um wenige Stunden verpasst: Auftrieb für die Hoffnung der Späher vom 229. Bataillon. (APA/red)

5.8.2003 15:28