Prügel-Tod in Traiskirchen: Minister und Asyl-Unternehmen wehren sich
- Zur Tatzeit war nur ein Betreuer im Lager bei den 800 Asylanten
·Keine Hilfe!
Schwangere & 12 Kinder auf Straße
·Traiskirchen
Kinder-Geschrei löst Prügelei aus
·Das Problem
Zu viele Menschen auf engstem Raum
·Asyl-Betreuung
EuropeanHomecare droht mit Klage!
·Innen-Minister
Tschetschenen extrem aggressiv
Als es zur tödlichen Prügelei kam, war nur ein Betreuer bei den 800 Menschen! Deshalb sagen Kritiker: Innenminister und das für die Betreuung der Asylanten zuständige Unternehmen haben versagt. Ein Tschetschene starb im Flüchtlingslager Traiskirchen. SPÖ und Volkshilfe meinen, dass die deutsche Firma European Homecare "überfordert" sei. European Homecare droht nun einigen Kritikern mit Klagen! Der Innenminister wies Vorwürfe zurück und meinte, die Betreuung habe sich im Gegenteil verbessert.
Strasser betonte, dass sich auch Asylwerber an die österreichischen Gesetze zu halten hätten. Und: "Es ist in Österreich nicht Usus, und auch nicht in unserem Kulturverständnis und auch nicht unser Wunsch, dass Konflikte wegen Kinderlärm mit Eisenstangen beantwortet werden." Oberösterreichs FP-Obmann Günther Steinkellner sieht Flüchtlingslage als "tickende Zeitbomben". "Flüchtlinge, bei denen es ein ethnisches, politisches oder religiöses Konfliktpotenzial gibt, sollten daher nicht zusammen in einem Flüchtlingslager untergebracht werden", so Steinkellner.
Kritik an Strassers Aussagen kam vom Direktor der evangelischen Diakonie, Michael Chalupka. Er sprach sich dagegen aus, "ganze Flüchtlingsgruppen zu kriminalisieren, wie das der Herr Innenminister getan hat". Überhaupt warnten die Hilfsorganisationen Caritas, Diakonie und Rotes Kreuz am Montag vor vorschnellen Schuldzuweisungen und boten dem Ministerium die Erarbeitung eines gemeinsamen Betreuungskonzeptes an. Viele Flüchtlinge hätten Schreckliches erlebt. Die Betreuung Hunderter Entwurzelter mit unsicherer Zukunft bedeute mehr als die Bereitstellung von Kost und Logis.
Deutliche Kritik übte Josef Weidenholzer, Präsident der Volkshilfe, die sich gemeinsam mit Caritas, Diakonie und Rotem Kreuz erfolglos um den Betreuungsauftrag für Traiskirchen beworben hatte: "Zu viele Menschen wohnen auf engem Raum. Es gibt zu wenig Betreuungspersonal. Die Flüchtlinge wissen nicht, wie lange ihr Verfahren dauern wird. Arbeit ist verboten, Beschäftigung gibt es kaum. Ein Leben geprägt von Angst und Unsicherheit, verurteilt zum Warten und Nichtstun." European Homecare sei überfordert. Dass die deutsche Firma die österreichische Konkurrenz unterbieten konnte, hat für Weidenholzer einen einzigen Grund: "Wir haben mit deutlich mehr Betreuungspersonal kalkuliert."
Ähnlich SP-Sicherheitssprecher Rudolf Parnigoni: Die durch einen falschen Spargedanken motivierte Entscheidung, die Flüchtlingsbetreuung auszugliedern und an die private deutsche Firma European Homecare zu übertragen, stelle sich jetzt auf tragische Weise als schwerer Fehler heraus. Die Grünen wollen den Fall mit Innenminister Strasser besprechen. Dieser wies jede Kritik an der Auftragsvergabe an European Homecare zurück: Die Firma sei Bestbieter gewesen, die Qualität der Flüchtlingsbetreuung sei gestiegen. Erstmals seien in Traiskirchen Sozialarbeiter tätig, die "hervorragende Arbeit" leisten.
European Homecare selbst bereitet indessen Klagen wegen kreditschädigender Äußerungen gegen Caritas und SOS-Mitmensch vor. SOS-Mitmensch hatte fehlende Betreuungsangebote in Traiskirchen kritisiert. Caritas-Präsident Franz Küberl hatte die Einhaltung von Qualitätsstandards eingemahnt.
Die Ermittlungen haben mittlerweile zur Festnahme von drei Tatverdächtigen geführt. Im oberösterreichischen Lager Thalham, wohin 40 Moldawier nach dem Zusammenstoß verlegt wurden, kam es angeblich zu weiteren Spannungen. Tschetschenische Flüchtlinge sollen gedroht haben, ihren in Traiskirchen getöteten Landsmann zu rächen, woraufhin 15 Angehörige der Spezialeinheit Cobra nach Thalham gebracht wurden. Nun soll eine der beiden Gruppen in einem anderen Lager untergebracht werden. (APA/red)
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