Dienstag, 29. Juli 2003

ISPA kritisiert Streichung des Minimumtarifs der TA

  • Volkswirtschaftlich bedenklich und Angriff auf Netz-Community
  • Tele2 fordert mehr Wettbewerb bei der Grundgebühr

Die österreichischen Internetprovider haben die Streichung des Minimumstarif der Telekom Austria heftig kritisiert, da diese eine vom Regulator genehmigte Preiserhöhung im Monopolbereich der Teilnehmeranschlussleitung darstelle. Der Verband der Internet Service Provider Österreichs (ISPA) werde den Verdacht des Missbrauchs der marktbeherrschenden Stellung und den Verdacht auf Quersubventionierung prüfen und dies gegebenenfalls bei der Bundeswettbewerbsbehörde anzeigen.

Die geplante Streichung des Minimumtarifs sei "volkswirtschaftlich bedenklich", "kontraproduktiv für die Bemühungen, die Internet-Durchdringung Österreichs zu fördern" und "ein Angriff auf die gesamte österreichische Internet-Community", da 80 Prozent der Internetuser auf TA-Leitungen angewiesen seien, betonte ISPA-Präsident Johannes Schwertner. Es liege der Verdacht nahe, dass dadurch "ein Körberlgeld zur Quersubventionierung von im Wettbewerb befindlichen Bereichen des Ex-Monopolisten" verdient werde. Dieses Körberlgeld betrage monatlich bis zu 3 Mio. Euro, da knapp 1 Million Haushalte die Kupferleitungen der TA für ihren Internetzugang verwenden würden.

Die regulatorische Genehmigung dieser Preiserhöhung sei nicht nachvollziehbar, so Schwertner weiter. "Das Netz der TA ist seit langem abgeschrieben, ich kann daher nicht verstehen, warum eine genehmigte Grundgebühr plötzlich nicht mehr kostendeckend sein soll".

Mehr Wettbewerb bei der Grundgebühr
Der alternative Telefonanbieter Tele2 hat nach der angekündigten Streichung des Minimumtarifs "mehr Wettbewerb bei der Grundgebühr" gefordert. Tele2-Kunden könnten damit nur mehr eine Rechnung bekommen, die sowohl das Grundentgelt als auch die Gesprächsgebühr beinhalte.

Da sich die Entbündelung nicht nur in Österreich, sondern europaweit nicht durchgesetzt habe, wolle Tele2 künftig als Großhändler Anschlussleistungen, die mit der Grundgebühr zusammenhängen, von der TA übernehmen, hieß es. Damit würden die Tele2-Kunden nur mehr eine Rechnung bekommen und nicht wie bisher zwei (von Tele2 über die Gesprächsgebühr und der TA über die Grundgebühr).
(apa/red)

29.7.2003 13:04