Dienstag, 29. Juli 2003

Protest gegen geplante "Terror-Börse" des Pentagon

  • Geboten werden Spekulationen über Umstürze und Attentate
  • US-Senatoren wollen umstrittenes Online-Projekt stoppen

Gegen ein neues Projekt des Pentagon zur Terrorabwehr regt sich in den USA Protest. Eine Abteilung des US-Verteidigungsministeriums plant eine Online-Börse, in der ab 1. Oktober 1.000 Personen über das Auftreten künftiger politische Ereignisse spekulieren können. Darunter seien auch Terroranschläge, Umstürze oder Attentate, kritisieren zwei demokratische Senatoren. Die erzürnten Politiker wollen die Börse noch vor Beginn der Online-Registrierung zukünftiger Händler am 1. August stoppen, berichtet die "New York Times".

Als "unglaublich dumm" bezeichnet Senator Byron Dorgan das Projekt. Es sei für ihn sogar schwierig, andere Leute davon zu überzeugen dass es sich um ein offizielles Pentagon-Projekt und nicht um einen Jux handle. "Können Sie sich vorstellen, dass im Ausland eine Online-Börse eingerichtet wird und dort über die Wahrscheinlichkeit eines Anschlags auf die USA spekuliert wird?" Senator Ron Wyden stellte dar, wie Teilnehmer auf die Ermordung eines ausländischen Premierministers wetten könnten. Da die Identität der Trader nicht bekannt werde, könnten auch Terroristen auf von ihrer eigenen Gruppe geplante Anschläge wetten.

"Börse zur Zukunft des Nahen Osten"
Die Internetseite www.policyanalysismarket.org wurde laut dem "New York Times"-Bericht nach der Kritik der Senatoren verändert, so dass ursprünglich dargestellte Beispiele wie die Wahrscheinlichkeit eines nordkoreanischen Raketenangriffs nicht mehr abrufbar waren. Das Projekt nennt sich "Börse zur Zukunft des Nahen Osten" und will sich zunächst auf Ereignisse in der Krisenregion konzentrieren. So wird in einem Beispiel ein Trading mit Futures und Derivativ-Kontrakten auf den Sturz der jordanischen Monarchie im Zuge des Irak-Konflikts demonstriert. Das jordanische Königshaus zählt zu den Verbündeten der USA im Nahen Osten.

Das US-Verteidigungsministerium verteidigte das Projekt als eine Möglichkeit, um mit Hilfe des Markts politische Prognosen zu erstellen und dadurch künftige Terroranschläge zu verhindern. Bis zum Jahr 2005 sind acht Mio. Dollar (6,96 Mio. Euro) für die Online-Börse budgetiert. Als Verantwortlichen nannten die beiden demokratischen Senatoren Admiral John M. Poindexter, ehemaliger Sicherheitsberater unter Präsident Ronald Reagan und damals zentrale Figur des Iran-Contra-Skandals. (apa/red)

Weitere Informationen:

  • -Darpa-Website
  • Policyanalysismarket-Website

    29.7.2003 09:38