Mittwoch, 30. Juli 2003

Blauer Steuerkrampf

  • Jetzt spaltet Steuerstreit auch die FPÖ

Showdown: Jörg Haider beharrt weiter auf einer großen Steuerreform schon 2004.
Der Kanzler geht auf Konfrontationskurs.

Die diversen Festspieleröffnungen von Bregenz bis Salzburg haben ihre Wirkung sichtlich nicht verfehlt. Immerhin durfte der Vizekanzler ja auch immer im Kreise seiner neuen schwarzen Freunde die Premieren genießen. Dass ihm angesichts all dieser schwarzen Hochkultur dann manch rot-blaue Gaumenfreude seiner Parteifreunde übel aufstößt, verwundert da wenig. Im NEWS-Interview wagt Herbert Haupt denn auch das in der blauen Welt fast Undenkbare. Der Sozialminister stellt sich in Sachen Steuerreform – in der ihm eigenen Art – gegen Jörg Haider.

Haupt versus Haider. Denn während der Kärntner Landeshauptmann weiter auf „einem Vorziehen der Steuerreform auf 2004 besteht“, schlägt sich „Schussel“ Haupt auf die Seite von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Finanzminister Karl-Heinz Grasser: „Ich halte den Termin Anfang 2004 für die Steuerreform für unhaltbar.“ Gänzlich ausschließen will der blaue Meister des Zickzackkurses eine rasche Steuerreform aber nicht.

Immerhin hatte der FP-Sozialminister ja erst vergangenen Mittwoch via Apa selbst erklärt, dass das „Vorziehen der Steuerreform eine Frage der Logik“ sei. Allerdings verzögert Haupt im gleichen Atemzug jenen FP-Parteivorstand – wo sich eine klare Mehrheit für den Haider-Kurs abzeichnet – zur Causa Steuerreform, den Haider so dringend einfordert. Denn auch wenn Haupt die offene Konfrontation mit Haider noch scheut, berichten ÖVP-Insider doch längst, dass sich „der Vizekanzler regelmäßig bei Schüssel über Haiders Zurufe ausweint“. Haupt sei in Sachen Steuern „auf einer Linie mit Schüssel und Grasser“.

Haupt gegen Rot-Blau. Auch an einer weiteren Front wird der blau-blaue Steuermachtkampf sichtbar. Denn während Haider Gusenbauers Idee eines rot-blau-grünen Runden Tisches über die Steuerreform auch weiterhin für „klug und vernünftig“ hält, lehnt Haupt eben diesen strikt ab. Kein Wunder.

Wien gegen Kärnten. Denn das Match lautet wieder einmal Kanzler und Vizekanzler gegen Jörg Haider – oder auch einfach nur Wien gegen Kärnten. Und das – das weiß der gelernte Österreicher längst – ist Brutalität.

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30.7.2003 16:37