Freitag, 1. August 2003

FORMAT: Verdächtig viele Erinnerungslücken bei der Voest!

  • Rund um den VAE-Deal präsentiert sich für Voest-Chef Struzl eine verdächtige Zeitachse - Aufsichtsratsmitglieder mit Blackout am 2. Juli 2002

Die verdächtige Zeitachse beginnt mit dem 2. Juli 2002. An diesem Tag traf sich der Voest-Aufsichtsrat. Dort informierten Voest-Chef Franz Struzl und seine Vorstandskollegen über den Verhandlungsstand im VAE-Deal. Angeblich wurde dort auch der spätere Kaufpreis für die VAE-Aktien von der deutschen Vosslog genehmigt, was die Voest bestreitet. Am 3. Juli 2002 orderte Struzl 2.800 VAE-Aktien. Der Kauf wurde bis zum 11. Juli zu Kursen um die 140 Euro durchgeführt. Am 15. verlautbarte die Voest ihr Angebot über 221 Euro. Heute scheint niemand mehr zu wissen, was am 2. Juli 2002 in der Ausichtsratssitzung alles besprochen wurde.

Voest-Aufsichtsratschef Rudolf Streicher kann "sich nicht mehr so genau erinnern. Auf jeden Fall haben wir die neuen Mitglieder Wieltsch und Grupp begrüßt. Über aktuelle Entwicklungen wurde auch berichtet. Aber wie konkret, weiß ich nicht mehr." In den nächsten Tagen wird Streicher seine Erinnerung wohl auffrischen. Denn bei der Entscheidung des Aufsichtsrates am 8. August, wo Voest-General Franz Struzl die Vertrauensfrage stellt, wird eine zentrale Rolle spielen, was genau bei einer anderen Aufsichtsratssitzung passierte, nämlich am 2. Juli 2002.

Die Umstände, unter denen Struzl am 3. Juli 2002 über seine steirische Hausbank 2.800 Aktien der Voest Alpine Eisenbahnsysteme (VAE) orderte, sind schon dubios genug. Aber dass am Tag zuvor ein Meeting des Kontrollorgans stattfand, hat der Topmanager bislang nicht öffentlich kommuniziert. Die Lage könnte sich dadurch noch verschärfen: Es kursieren unterschiedliche Aussagen darüber, was dort zur Sprache kam.

Laut informierten Quellen ließ sich der Voest-Vorstand an diesem Tag vom Aufsichtsrat die Erhöhung des Kaufpreises absegnen, für den Fall, dass die deutsche Vossloh AG ihr 45-Prozent-Paket an der VAE dem Linzer Stahlkonzern abtreten würde. Zwei Wochen später war es so weit. Vossloh verkaufte an die Voest. Gezahlt wurden 221,5 Euro pro Aktie, auch an die Kleinanleger- um gut 80 Euro je Stück mehr, als Franz Struzl ausgegeben hatte. Gewinn: fast 250.000 Euro.

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1.8.2003 12:38