Genosse Bankier: Der neue Bawag-General Johann Zwettler
- FORMAT: Wie er den Osten erobern will und warum die Bawag Stiefelkönig vor dem Konkurs rettet
Vor zwei Wochen feierte der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Landesbank (BLB) Werner Schmidt seinen 60. Geburtstag im Hubertussaal des noblen Schlosses Nymphenburg in München. Unter den mehr als 300 geladenen Festgästen weilten auch zwei Besucher aus Österreich. Nämlich der Generaldirektor der Bank für Arbeit und Wirtschaft (Bawag) Johann Zwettler und sein Aufsichtsratschef Günter Weninger.
Den Bayern gehören 46 Prozent der Bawag, der Rest wird vom Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) kontrolliert. Für ÖGB-Finanzchef Weninger und seinen Genossen Bankier war das Fest in München jedenfalls eine gelungene Sache. Bawag-Chef Zwettler: "Es war ein wunderschöner Abend, in einem ebenso wundervollen Ambiente."
Was den seit Ende April amtierenden Bawag-General Zwettler aber insgeheim weit mehr entzückte als der teure Schnickschnack auf der feudalen Geburtstagsparty - so etwas imponiert dem Besitzer eines schlichten Reihenhauses nicht -, war sein jüngster Deal mit Geburtstagskind Werner Schmidt: Die Bawag kauft den Bayern ihre Anteile an der Prager Interbanka ab (Bilanzsumme: 400 Millionen Euro). Damit wollen die bislang äußerst risikoscheuen Gewerkschaftsbanker jetzt so richtig im Osten durchstarten.
Ostexpansion der BAWAG
Die Ostphantasie kam nicht von heute auf morgen. Den Startschuss gab bereits Zwettlers Vorgänger Helmut Elsner, als er vor zwei Jahren Freund und Feind mit der Übernahme der slowakischen Istrobanka überraschte. Das Vorantreiben der Expansion überließ der kunstsinnige Elsner, der nicht nur im Vorstand von Lotterien und ÖGB-Stiftung, sondern auch im Aufsichtsrat der Wiener Staatsoper sitzt, aber seinem langjährigen Schattenmann Zwettler.
Workaholic Johann Zwettler ist es jedenfalls ernst mit dem Ausbau des Auslandsgeschäfts: Noch heuer wird er auf der Mittelmeerinsel Malta - einst verrufen als Offshore-Paradies - die brandneue Bawag-Maltabank eröffnen. Ihr Zweck: das Arrangement so genannter Asset-Backed-Securities-Transaktionen und internationaler Großkredite.
"Zahlenmensch" Zwettler
"Auslandsexpansion schön und gut, aber mit Augenmaß", lautet Zwettlers Credo. Der "Zahlenmensch" (Zwettler über Zwettler) betont stets, dass Renditeerwartung und Risikoprofil im überschaubaren Rahmen bleiben müssen.
Warum er sich trotzdem einen Einstieg bei der mit 84 Millionen Euro verschuldeten Stiefelkönig-Kette antut? "Wir lassen unsere Firmenkunden nicht so einfach hängen", erklärt Zwettler. "Wir geben ihnen, sofern sie ernsthafte Sanierungskonzepte vorlegen, eine zweite Chance." So passiert beim verstorbenen Steyrer Augenoptiker Franz Josef Hartlauer: "Den haben wir damals auch nicht in Konkurs geschickt. Und der Firma geht es jetzt bekanntlich prächtig."
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