Donnerstag, 31. Juli 2003

Fiskus war großer Gewinner der Strom-Marktöffnung

  • Für Haushaltskunden kaum Sparmöglichkeiten

Der heimische Fiskus war der große Gewinner der Strommarkt-Liberalisierung in Österreich, gefolgt von der Industrie, während es für Gewerbekunden nur geringe Einsparungen gab und die Haushaltskunden fast überhaupt leer ausgingen. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag präsentierte Studie des A.T. Kearney.

Demzufolge können Haushaltskunden auch für die nächsten Jahre nicht mit Energiepreissenkungen rechnen. Während sich die Industrie beim Strom derzeit gegenüber 1997 mehr als 35 Prozent netto erspart - in Summe 500 bis 600 Mio. Euro jährlich -, brachte die volle Marktöffnung einem durchschnittlichen Haushalt mit 3.500 kWh Verbrauch lediglich 10 Euro im Jahr.

Für alle rund 3 Mio. Haushalte zusammen errechnet sich so eine ungefähre Größenordnung von 30 Mio. Euro Liberalisierungsgewinn im Jahr, sagte A.T.Kearney-Experte Thomas Gasser in einem Pressegespräch. Gemessen am Durchschnittshaushalt sanken die Energie- und Netzkosten von 1999 bis 2002 zwar um 19 Prozent von 384 auf 310 Euro/Jahr, doch erhöhte sich gleichzeitig die Steuer- und Abgabenkomponente um 65 Prozent von 98 auf 162 Euro. Die vom Regulator erzwungene Senkung der Netztarife sei also durch höhere Steuern und Abgaben sowie geringfügig höhere Energiepreise "wieder aufgefressen" worden, sagte Gasser.

Großer Gewinner: Fiskus
Großer Gewinner der Marktöffnung war durch die Verschiebung zugunsten von Steuern und Abgaben der Fiskus. Abgeschöpft habe der Fiskus die Liberalisierungsgewinne durch die schrittweise Erhöhung der Energieabgabe von zunächst 10 Groschen und danach 20,64 Groschen. Solcherart seien dem Bundesbudget von 1996 bis 1999 jeweils rund 395 Mio. Euro im Jahr zugeflossen, von 2000 bis 2003 bereits etwa 785 Mio. Euro im Jahr. (apa)

31.7.2003 13:36