Freitag, 1. August 2003

Blair-Sprecher bezeichnet David Kelly als Wichtigtuer

  • Tom Kelly entschuldigt sich nach empörten Reaktionen
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Kelly gegen Kelly: Einer der Sprecher des britischen Premiers Tony Blair, Tom Kelly, musste nun zugeben, den früheren Berater Blairs, David Kelly, als "wichtigtuerischen Fantasten" dargestellt zu haben. Nach heftiger Kritik entschuldigte er sich nun dafür. David Kelly hatte am 18. Juli Selbstmord begangen, nachdem er beschuldigt worden war, der BBC einen kritischen Bericht über die Irak-Kriegsgründe Blairs zugespielt zu haben.

Aus den Reihen von Blairs Labour-Partei und der Opposition wurden umgehend Rücktrittsrufe laut. Ein Downing Street-Sprecherin sagte, dass Blair, der derzeit seinen Urlaub auf Barbados verbringt, informiert worden sei. Über etwaige Schritte wie etwa einen Rücktritt sagte sie jedoch nichts.

Die "Financial Times" und der "Guardian" berichteten am selben Tag, dass Tom Kelly in einem Gespräch mit einem Journalisten den früheren Regierungsberater als "Walter Mitty"-Charakter bezeichnet hatte. Dies ist eine in Großbritannien bekannte erfundene Figur, die sich wegen ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit in Fantasien flüchtet, in denen sie ein Held ist. David Kelly habe in einem Gespräch mit einem BBC-Journalisten über die Gefährlichkeit Saddam Hussein übertrieben und mehr erzählt, als er gewusst habe, soll der Pressesprecher als Begründung gesagt haben.

David Kelly war die Hauptquelle für einen BBC-Bericht, wonach die Regierung Blair ein Dossier über vermeintliche Gefahren durch irakischen Massenvernichtungswaffen als Rechtfertigung für den Krieg gegen Saddam Hussein absichtlich aufbauschte. Aus dem Bericht entwickelte sich eine heftige Auseinandersetzung zwischen Downing Street und dem britischen Sender, in dessen Verlauf sich Kelly das Leben nahm. Letztlich führte dies zu einer der schwersten Krisen der Blair-Regierung.

Die frühere Ministerin und prominente Labour-Abgeordnete Glenda Jackson beschuldigte die Regierung, sie wolle "aus einem Opfer einen Schurken machen". Der für die Äußerungen Verantwortliche müsse hinausgeworfen werden, sagte sie. In diesem Sinne äußerte sich auch ein Sprecher der Liberaldemokraten. (APA/red)

1.8.2003 08:09