Donnerstag, 31. Juli 2003

Südosteuropa will enger zusammenrücken

  • Sieben Regierungschefs trafen sich in Salzburg zu Gipfel
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Ein neuer Anlauf zu mehr Kooperation am Balkan wurde am Donnerstag in Salzburg gestartet. Bei einem Treffen von sechs Premiers aus der Region mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel wurde vor allem die Bedeutung einer künftigen engeren europäischen Integration besprochen. Vertreten waren neben Schüssel die Regierungschefs aus Kroatien, Bosnien, Serbien, Montenegro, Bulgarien und Rumänien.

Schüssel wies darauf hin, dass die Teilnehmer des Salzburger Treffens aus Ländern gekommen seien, die einen unterschiedlichen Grad der Annäherung an die EU erreicht hätten. Nach dem EU-Westbalkan-Gipfel in Saloniki im Juni sei jedenfalls klar, dass "Europa auf den Balkan fokussiert ist". Erfreut zeigte sich Schüssel über den "großen wirtschaftlichen Erfolg" in Südosteuropa. Die Transitionsländer wären im Bereich der Wirtschaft besser als einige EU-Kandidatenländer und andere europäische Staaten.

Kroatien will bald in die EU
Für den kroatischen Premier Ivica Racan ist die regionale Zusammenarbeit nicht nur wegen des Wunsches, der EU beizutreten, entscheidend, sondern auch, "weil wir uns selbst Gutes wünschen". Die Perspektive sei aus kroatischer Sicht klar: Die Länder sollten dann in die EU aufgenommen werden, "wenn sie es sich verdient haben".

Bosnien will künftig vorsichtiger formulieren
Der bosnische Ministerpräsident Adnan Terzic merkte an, dass man bei der notwendigen Kooperation die "Wörter wählen" müsse. Dies vor allem, "um in Zukunft das zu vermeiden, was uns vor zehn Jahren passiert ist". "Wir müssen in der nahen Zukunft zueinander finden", betonte Terzic.

Serbien sieht in Salzburg "symbolischen Ort"
Sein serbischer Amtskollege Zoran Zivkovic sprach von einem "symbolischen Ort" des Treffens. Dass gerade in Salzburg diskutiert wurde, zeuge von der "historischen Tatsache, dass die Balkanfragen nie in der Region selbst, sondern immer in Europa geregelt wurden". Für die derzeitige Situation auf dem Balkan seien nicht nur die Völker der Region verantwortlich. Schuld würde auch der "ältere Teil Europas" tragen, sagte Zivkovic.

Montenegro erstmals in Salzburg dabei
Milo Djukanovic, Premier Montenegros, unterstrich, dass er sich über die erste Teilnahme seiner Republik beim Treffen in Salzburg freue. Damit werde die "politische Realität in der Region" anerkannt, sagte Djukanovic, Premier der kleineren Republik des losen Staatenbundes Serbien-Montenegro. Er würdigte den Umstand, dass sich insbesondere die Nachbarländer Südosteuropas, und hier vor allem Österreich, um die Zukunft der Region kümmern würden. "Aber wir in Südosteuropa sind für die Zukunft verantwortlich."

Bulagrien und Rumänien stimmen zu
Auch der bulgarische Premier Simeon Sakskoburggotski und dessen rumänischer Amtskollegen Adrian Nastase betonten die Wichtigkeit der regionalen Kooperation. Nastase sprach von einem "exzellenten Treffen zum Lernen". Oft sei es besser, "viel mehr zuzuhören als zu reden". (APA/red)

31.7.2003 15:40