Mittwoch, 30. Juli 2003

Prozess gegen brutale US-Polizisten gescheitert

  • Jury konnte sich nicht auf einheitliches Votum einigen
  • Menschenrechtsaktivisten: "Hier gibt es keine Gerechtigkeit"

Jetzt werden neue Unruhen befürchtet! Rund ein Jahr nach der brutalen Misshandlung eines schwarzen Jugendlichen durch weiße Polizisten hat eine Jury in Los Angeles die angeklagten Beamten nicht verurteilt. Die zwölf Geschworenen konnten sich am Dienstag nicht auf ein einheitliches Votum einigen.

Nur sieben Jury-Mitglieder hielten den Polizisten Jeremy Morse für schuldig, Anfang Juli vergangenen Jahres den damals 16-jährigen Donovan Jackson bei seiner Festnahme mit dem Kopf gegen den Wagen gestoßen und ins Gesicht geschlagen zu haben. Ein Amateurfilmer hatte den Vorfall auf Video aufgenommen.

Staatsanwalt Steve Cooley bedauerte das Urteil. Die Polizei wurde in Alarm versetzt, um Unruhen zu verhindern. Bereits im Gerichtssaal löste die Entscheidung Protest aus. "Hier gibt es keine Gerechtigkeit", klagt ein Menschenrechtsaktivist. Weitere Menschenrechtler protestierten vor dem Gericht.

Videofilm lief mehrmals im TV
Der heute 25-jährige Morse war nach dem Vorfall vom Dienst in Inglewood, einem Stadtteil von Los Angeles suspendiert worden; an seiner Täterschaft konnte kaum Zweifel bestehen: Der im US-Fernsehen mehrmals gesendete Videofilm zeigte, wie vier Polizisten Jackson am 6. Juli 2002 auf einer Tankstelle in Handfesseln zu einem Polizeiauto führten und wie Morse den Kopf des Jugendlichen gegen den Wagen stieß und ihm anschließend ins Gesicht schlug. Der Jugendliche habe sich den Beamten widersetzt und sie angegriffen, gab die Polizei an. Die Familie sagte, Jackson habe eine Sprachstörung sowie Hör- und Lernprobleme und sei manchmal in seinen Reaktionen etwas langsam. Das Video löste in den USA Empörung aus. Hunderte Menschen protestierten gegen Polizeigewalt.

Einen 26-jährigen Kollegen von Morse, der anschließend zur Verdeckung der Tat den Polizeibericht gefälscht haben soll, sprach die Jury frei. Nur einer der Jury-Mitglieder war Schwarzer, die übrigen elf waren Hispano-Amerikaner. (apa)

30.7.2003 10:13