Donnerstag, 31. Juli 2003

Krankenkassen: "Nein" zu künstlicher Zentralisierung

  • Länder skeptisch bei Bettenabbau: Unter-Grenze ist erreicht!
  • Gusenbauer-Vorschlag nach Strafen für Ärzte auch abgelehnt

So soll die Zukunft des österreichischen Gesundheitssystems aussehen: Neun Gebietskrankenkassen sollen zu vier Regionenkassen zusammen gelegt werden. Reaktion: Ein striktes Nein! Außerdem sollen Spitäler stärker zusammen arbeiten, nicht mehr jede Klinik alles machen. Österreich wird in rund 30 Gesundheitsregionen geteilt. Spitalsbetten sollen reduziert werden. Die Länder bezweifeln, dass der vom Bund geplante massive Bettenabbau so erreicht werden kann. Auch andere Vorschläge zur Gesundheitsreform werden strikt abgelehnt.

"Nein" - auf diesen knappen Nenner lassen sich die Reaktionen auf die verschiedenen Vorschläge bringen, die derzeit in der Gesundheitsdebatte durch die mediale Luft schwirren. So sah sich etwa SPÖ-Vorsitzender Gusenbauer einer breiten Ablehnung für seinen Vorschlag gegenüber, Sanktionen gegen Ärzte zu verhängen, die zu teure Medikamente verschreiben.

Die Krankenkassen wehrten sich vehement gegen die Pläne einer Zusammenlegung. Am schärfsten reagierte die Ärztekammer auf den Gusenbauer-Vorstoß. Präsident Reiner Brettenthaler warf dem SPÖ-Chef vor, damit einen Schaden für die Patienten mutwillig in Kauf zu nehmen. Er unterstellte Gusenbauer das Motto: "Und bist du nicht billig, so brauch' ich Gewalt."

Auch die drei anderen politischen Parteien fielen verbal über den SPÖ-Vorsitzenden her. ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger bezeichnete den Vorschlag als kontraproduktiv. Patienten, die teure Medikamente benötigen, würden bald keinen Arzt mehr finden. Sein Grüner Kollege Kurt Grünewald findet den Vorstoß Gusenbauers "oberflächlich populistisch". FPÖ-Generalsekretärin Bleckmann sagte: "Bei der SPÖ ist die Maske ab", statt die "Keule" zu schwingen, sollte man positive Anreize setzen: Konkret schlug sie dafür vor, dass es für billigere Medikamente eine niedrigere Rezeptgebühr geben sollte.

Viel besser als Gusenbauer ging es aber auch Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (FP) mit seiner Forderung nach einer Zusammenlegung von Krankenkassen nicht. Die Kassen argumentieren, das bringe nichts, weil der Verwaltungsaufwand ohnehin nur zwei bis drei Prozent des Budgets ausmache. Das im Regierungsabkommen formulierte Ziel, insgesamt 16.000 Spitalsbetten abzubauen, stößt vor allem in den Bundesländern auf Skepsis. (APA)

31.7.2003 12:16