Salzburg 2003: Das Fest beginnt
- Debatten, Intrigen, ein neuer Mozart-Stil und wenig für Lugners
- Ferres & Moretti, derzeit im „Jedermann“, demnächst in Mankells „Tanzlehrer“

Die Diskussion siedet wie anno Mortier. Ob denn Peter Ruzicka, der Intendant, zwei Wochen vor Festspielbeginn drei Konzerte im Ausland dirigieren dürfe. Ob die Tatsache, dass Jürgen Flimm, der Schauspieldirektor, 2005 zur Ruhr-Triennale wechselt, nicht der Anfang vom Ende sei.
Christian Thielemann hat die Henze-Uraufführung „L’Upupa“ abgesagt, was als Symptom sich anbahnenden Bedeutungsschwundes der Festspiele diagnostiziert wurde. Zu Mortiers Zeiten schmissen zwar Muti, Harnoncourt und Abbado in Serie hin, und die Schauspielchefs Stein, Nagel und Baumbauer wechselten wie die Saisonniers. Doch schon dem alten Karajan wurden vom Folklore-Traditional des kulturpolitischen Watschentanzes die letzten Jahre vermiest.
Konfrontationen. Tatsache ist: Seit Ruzicka am 22. Mai 2003 auf NEWS-Nachfrage Flimms Abgang – und zugleich den Nachfolger Martin Kusej – bekannt gab, sind die Festspiele im Gespräch. Am 18. Juni meldete sich Flimm, gleichfalls via NEWS, mit kritischen Anmerkungen. „Kurier“ und „Salzburger Nachrichten“ legten kräftig nach, Kusej erwiderte im „profil“.
Am 10. Juli transferierte NEWS die Debatte von der Theorie in die Praxis: Ruzicka kritisierte seine Kritiker, und ein erster Probenrundgang hatte Erfreuliches, ja Spektakuläres ergeben. Ein NEWS-Gespräch mit Nikolaus Harnoncourt verstärkte eine Woche später noch den Eindruck sich anbahnender Ereignisse.
Lostag 26. Juli. Die müssen jetzt der Realität standhalten: Am 26. Juli werden die Salzburger Festspiele – die zweiten unter Ruzicka – eröffnet.
Der Vorverkauf jedenfalls entwickelt sich stürmisch:
Und das trotz keineswegs mutloser Programmierung: Harnoncourt und Kusej verantworten nebst der Wiederaufnahme des vorjährigen „Don Giovanni“ auch Mozarts „Titus“. Womit, vielleicht erstmals seit den Zürcher Musterproduktionen von Harnoncourt und Ponnelle, wieder eine haltbare Mozart-Ästhetik in Arbeit ist.
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