Dienstag, 22. Juli 2003

ÖGB-Studie belegt: Bereits 850.000 arbeiten "atypisch"

  • Zahl der freien Dienstnehmer seit 1998 um 150% gestiegen
  • Verzetnitsch fordert mehr Rechte für die Betroffenen

Von den rund 3,2 Millionen Arbeitnehmern in Österreich sind bereits rund 850.000 "atypisch", also abseits eines Normalarbeitsverhältnisses, beschäftigt. Viele wählen diese Dienstformen aber nicht freiwillig, zeigt nun eine Studie von ÖGB und Arbeiterkammer. Bei der Präsentation forderte ÖGB-Präsident Verzetnitsch am Dienstag mehr Rechte für die Betroffenen ein.

57 Prozent der im Rahmen des Projeks "FlexPower" befragten 528 Personen gaben an, durch die Arbeitsmarkt-Situation in die atypische Beschäftigung gezwungen worden zu sein. 41 Prozent haben ihr Dienstverhältnis "eher selbst gewollt".

Mehr als zwei Drittel sehen prinzipiell Probleme bei der sozialen Absicherung, da sie teilweise aus dem Arbeitsrecht herausfallen. Am häufigsten wurde die Problemfelder Krankheitsfall (50 Prozent), Arbeitslosigkeit (43) und Pension (33) angeführt. Die Hälfte der Befragten gab auch an, ein Normalarbeitsverhältnis anzustreben. Nur 29 Prozent tendieren in Richtung Selbstständigkeit.

Insgesamt ist die Zahl der freien Dienstnehmer zwischen 1998 und Juni 2003 um beinahe 150 Prozent auf 23.841 angestiegen. Bei den neuen Selbstständigen hat sich die Zahl seit Ende 1998 sogar fast vervierfacht (auf 30.836).

ÖGB und AK kritisieren, dass es sich bei den neuen Dienstformen sehr häufig um Umgehungsformen durch die Firmen handle, um Kosten zu sparen. Verantwortlich sei ein zu eng gefasster Arbeitnehmer-Begriff, der noch aus dem Jahr 1913 stamme, kritisierte AK-Experte Christoph Klein.

Hier schließen auch die Forderungen des ÖGB an. Der Arbeitnehmer- Begriff solle sich künftig nur mehr an der "wirtschaftlichen Abhängigkeit" orientieren, und nicht an Arbeitszeit, Arbeitsort oder Arbeitsweise, so Verzetnitsch. Damit fiele ein Großteil der Freien und neuen Selbstständigen unter ein echtes Arbeitsverhältnis. (APA)

22.7.2003 13:15