Montag, 21. Juli 2003

Halbleiter-Krise: Infineon mit 9. Quartalsverlust!

  • Im 3. Quartals Verlust von 116 Mio. Euro geschrieben

Die Krise der Halbleiter-Branche nimmt offenbar kein Ende. Chip-Hersteller Infineon hat seinen Anlegern am 22. Juli den neunten (!) Quartalsverlust in Folge vorlegen müssen. Das Unternehmen hat im 3. Quartal einen Verlust von 116 Mio. Euro geschrieben. Infineon-Chef Ulrich Schumacher (Bild) steht unter Druck.

Der Fehlbetrag gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöhte sich um 40 Mio. Euro. Zum Vorquartal sank der Nettoverlust aber gleichzeitig um 212 Mio. Euro. Der Umsatz stieg binnen Jahresfrist um elf Prozent auf 1,47 Mrd. Euro. Eine Vorhersage für des Gesamtjahr lieferte Infineon weiter nicht.

Mit dem erneuten Verlust schrieb Infineon den neunten Quartalsverlust in Folge. Allerdings lag das Unternehmen mit seinen Zahlen besser als von den meisten Analysten erwartet. Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen ein Minus von 76 Mio. Euro ausgewiesen, im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres waren es sogar 328 Mio. Euro gewesen.

Die deutliche Verbesserung zum Vorquartal ist dem Unternehmen zufolge vor allem auf die gesteigerte Produktivität, weitere Kostensenkungen und die Tatsache zurückzuführen, dass im Gegensatz zum Vorquartal keine nennenswerten Wertberichtigungen auf Lagerbestände wirksam wurden.

Infineon-Chef Ulrich Schumacher betonte, das abgelaufene Quartal sei auf Grund des ungünstigen Wechselkurses von Euro und Dollar sowie des weiterhin starken Preisdrucks "äußerst schwierig" gewesen. Das Unternehmen sehe nun aber "ein positiveres Marktumfeld, insbesondere im Speicherbereich". Infineon sei optimistisch, "dass sich die Nachfragesituation sowohl in unseren Logik-Segmenten als auch bei den Speicherprodukten in der zweiten Jahreshälfte weiter verbessern wird".

Von den Konkurrenten gab es in den vergangenen Wochen positive Signale. "Die optimistischen Kommentare von Intel, Samsung und AMD lassen auf das typisch starke dritte Quartal bei PCs schließen", meint Analyst Guenther Hollfelder. Intel konnte den Quartalsgewinn zuletzt auf 896 Mio. Euro mehr als verdoppeln. "In den letzten zwei Jahren hatten wir wenig Grund zu jubeln, jetzt sind wir wieder auf der Wachstumsschiene", sagte Intel-Deutschland-Chef Jürgen Thiel.

Allerdings ist die Produktpalette von Intel und Infineon nur teilweise vergleichbar. Infineon ist nach wie vor stark vom hoch volatilen Speichergeschäft abhängig. Zwar drückt Infineon auch mit Hilfe der modernen Fabrik in Dresden die Kosten für die Herstellung der DRAM-Chips (Dynamic Random Access Memory) kontinuierlich nach unten. Die Vollkosten liegen wohl aber noch immer über den Preisen, die am Markt erzielt werden können. (APA/Red.)

21.7.2003 11:27