Sonntag, 27. Juli 2003

Jakobs Mörder ist schuldig: LEBENSLANGE Haft!

  • Drama um entführten deutschen Bankierssohn hielt die Welt in Atem
  • Angeklagter bat weinerlich um 'Urteil, das mich nicht vernichtet'

Lebenslang, keine vorzeitige Entlassung! Der 28-jährige Magnus Gäfgen wurde in Frankfurt schuldig gesprochen. Anklage: Entführung und Ermordung von Jakob von Metzler. Der Mann gestand: Ja, ich habe ihn am 27. September 2002 entführt und mit Klebeband erstickt. Für die Anklage ein Geständnis aus reiner Taktik: Denn der Täter hatte Jakob, für den er Lösegeld erpressen wollte, bereits kurz nach dem Kidnapping getötet!

Der 28 Jahre alte Jurist Magnus Gäfgen darf wegen der besonderen Schwere seiner Schuld nicht bereits nach 15 Jahren auf Bewährung entlassen werden. Das Gericht folgte dem Antrag von Staatsanwaltschaft und Jakobs Eltern als Nebenkläger. Sie hatten das Geständnis als reine Prozess-Taktik bezeichnet und die Reue des Angeklagten bezweifelt.

Gäfgens Verteidiger hat für den Fall dieses Urteils eine Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe angekündigt. Ansatzpunkt sind Folterdrohungen der Frankfurter Polizei gegen den Täter, als er die Ermittler nicht zum Versteck seines Opfers führen wollte. Wegen der Drohungen waren bereits sämtliche früheren Geständnisse Gäfgens annulliert worden. Er hatte im Prozess ausführlich seine Tat geschildert.

Aussagen für ungültig erklärt
Das Frankfurter Landgerichts hatte zu Beginn des Prozesses sämtliche Geständnisse und Aussagen des 28-jährigen Jura-Studenten für ungültig erklärt.

Gäfgen wiederholte vor Gericht seine Aussage, den Bankierssohn nach einem Monate zuvor gefassten Plan am 27. September 2002 entführt und getötet zu haben, um eine Million Euro Lösegeld zu erpressen.

Er war bei der Geldübergabe von der Polizei beobachtet und etwas später festgenommen worden. Auf Anordnung Daschners drohten ihm die Kripo-Beamten, sie würden ihm von einem Kampfsportler Schmerzen zufügen lassen, wenn er nicht den Aufenthaltsort seiner Geisel verrate. Der Bankierssohn war zu diesem Zeitpunkt aber bereits tot. Gäfgen hatte den Jungen schon kurz nach der Entführung getötet. (red)

27.7.2003 21:47