Freitag, 25. Juli 2003

Blairs Kommunikationschef will angeblich abtreten

  • Regierung bezeichnet BBC-Bericht als "Wunschdenken"

Hat sich Tony Blair mit seiner Kriegs-Euphorie vor dem Irak-Krieg übernommen? Immer enger zieht sich die Schlinge um den britischen Premier, nun dürfte ihm ein weiterer enger Weggefährte abhanden kommen: Kommunikationschef Alastair Campbell will nach BBC-Informationen sein Amt abgeben.

Campbell will demnach im Zusammenhang mit dem Selbstmord des Waffenexperten David Kelly zurücktreten. Campbell habe dem Premierminister gesagt, er wolle gehen, sobald sein Name im Zuge der richterlichen Untersuchung zu den näheren Todesumständen Kellys rein gewaschen sei, berichtete BBC-Redakteur Andrew Marr unter Berufung auf Quellen in Downing Street. Mehrere britische Zeitungen berichteten am Freitag im gleichen Tenor.

Regierung zu Bericht: "Wunschdenken"
Von der Regierung wurde der Bericht als "Wunschdenken" zurückgewiesen. "Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass sich die BBC eher auf Geschwätz denn auf Substanz fixiert", sagte ein Regierungssprecher. Gleichzeitig erschien ein repräsentative Umfrage, wonach eine Mehrheit der Briten ihrer Regierung nach dem Tod Kellys nicht mehr über den Weg traut.

Nach Angaben Marrs wird Campbell spätestens im Herbst sein Amt niederlegen. Ein Rücktritt vor Ende der Kelly-Untersuchung komme nicht in Frage, weil dies so interpretiert werden könnte, als habe die Regierung etwa falsch gemacht, hieß es. "Ich zweifele nicht im Geringsten daran, dass Alastair Cambell fest entschlossen ist zu gehen, dass dies der Premierminister weiß und dem zugestimmt hat", sagte Marr. In gleichem Sinne berichtete unter anderem auch der "Guardian". Nach seinen Angaben könnte Campbell voraussichtlich im September seinen Hut nehmen. (APA/red)

25.7.2003 14:21