Donnerstag, 24. Juli 2003

Ital. Justiz rollt Fall des Vatikan-Bankiers Calvi neu auf

  • Medienberichten zufolge wird Mafia des Mordes verdächtigt
  • Auch eine Österreicherin unter den Verdächtigen

Der spektakuläre Tod des Vatikan-Bankiers Roberto Calvi wird von der italienischen Justiz neu aufgerollt. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass sich der "Bankier Gottes" 1982 in London nicht erhängte, sondern von der Mafia erdrosselt wurde. Calvi hatte damals im Mittelpunkt des größten italienischen Bankenskandals gestanden. In Rom wird jetzt Anklage wegen schweren, vorsätzlichen Mordes gegen vier Menschen erhoben. Unter den Angeklagten soll eine Österreicherin sein.

Calvi war 1982 unter einer Londoner Brücke erhängt aufgefunden worden. Zunächst wurde Selbstmord vermutet. Als Präsident der Banco Ambrosiano stand er damals im Mittelpunkt des größten italienischen Bankenskandals seit dem Zweiten Weltkrieg.

Der Vatikan hielt einen erheblichen Anteil an der Bank, die nach dem Verschwinden von 1,14 Milliarden Euro zusammenbrach. Vier Verdächtige, darunter ein mutmaßlicher Mafioso, wurden über die Schlussfolgerung der Staatsanwälte informiert. Es wurde Anklage wegen schweren, vorsätzlichen Mordes erhoben.

Die Namen der vier Personen, gegen die Ermittlungen eingeleitet wurden, werden mit Pippo Calo', Flavio Carboni, Ernesto Diotallevi und Manuela Kleinszig angegeben. Ihre Anwälte hätten 20 Tage Zeit, um ihre Darstellung vorzulegen.

Nach einem Bericht des Senders RAI geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Mafia die Ermordung Calvis in Auftrag gab. Er habe zu viel ihres Geldes verloren und zu viel über ihre Operationen gewusst.

24.7.2003 14:18