Dienstag, 22. Juli 2003

Polit-Krimi nach Experten-Tod: Verteidigungsminister will aussagen

  • Hoon steht vor dem U-Ausschuss!
  • Er gab Kellys Namen bekannt: Mitschuld an Selbstmord?

Der Tod des Kriegs-Beraters stürzt die britische Regierung und Premier Blair in eine Krise, die vermutlich ein Polit-Opfer fordern wird! Schon gibt es Gerüchte, dass der britische Verteidigungsminister seinen Hut nehmen wird. Geoff Hoon soll vor dem U-Ausschuss zur Affäre um den Tod des Biowaffen-Experten David Kelly Rede und Antwort stehen. Wie Premierminister Tony Blair sei der Verteidigungsminister "bereit, öffentlich und so bald wie möglich" vor dem Untersuchungsrichter Lord Brian Hutton auszusagen.

Hutton leitet im Auftrag der britischen Regierung die Ermittlungen um den Tod des Beraters des Verteidigungsministeriums. Kelly gilt als Quelle für einen regierungskritischen Medienbericht um aufgebauschte Geheimdienstdokumente zu Irak. Am Freitag war der 59-Jährige mit aufgeschnittener Pulsader tot aufgefunden worden. Er war zuvor von einem Untersuchungsausschuss des Unterhauses stark unter Druck gesetzt worden.

Hoon unter Druck
In der Affäre um den Tod des britischen Waffenexperten David Kelly hat sich der Druck auf die britische Regierung nochmals verstärkt. Außer Premierminister Tony Blair rückte am Dienstag Verteidigungsminister Geoff Hoon zunehmend ins Zentrum der Kritik: Medien berichteten, dass Blairs Büro Druck auf das Verteidigungsministerium ausgeübt habe, Kellys Namen zu veröffentlichen. Hoon wird vorgehalten, durch die Bekanntgabe des Namens für den Selbstmord von Kelly mitverantwortlich zu sein. Blair hingegen erklärte während seiner China-Reise am Dienstag, er habe der Identifizierung seines Irak-Beraters nicht zugestimmt.

Das britische Verteidigungsministerium gab zu, mehreren Zeitungsjournalisten den Namen von Kelly als Quelle für einen kritischen BBC-Bericht bestätigt zu haben. In dem BBC-Beitrag hieß es: Die Regierung habe Geheimdienstinformationen über das irakische Waffenpotenzial manipuliert, um den Irak-Krieg zu rechtfertigen. Durch die Identifikation der Quelle stand der zurückhaltende Mikrobiologe plötzlich im Rampenlicht der Öffentlichkeit.

Es wird allgemein angenommen, dass ihn dies mit in den Selbstmord getrieben hat. Der 59-jährige Waffeninspektor war am Freitag in seinem Heimatort bei Oxford tot aufgefunden worden. Hoon hatte dazu am Wochenende nur erklärt: "Ich glaube nicht, dass es irgendetwas gibt, für was ich mich entschuldigen müsste".

Blair verliert an Popularität
Dennoch schadet die Affäre der britischen Regierung. Nach Meinungsumfragen verlor der Premier deutlich an Popularität. Blairs Zustimmungsrate in Großbritannien sei in zwei Monaten von plus sieben
auf minus 17 Punkte gesunken, ergab eine ICM-Umfrage. Hielten damals noch 51 Prozent Blair für glaubwürdig, seien es jetzt nur noch 39 Prozent. (apa/red)

22.7.2003 11:10