Montag, 21. Juli 2003

Kranksein wird in Deutschland teuer: 10 € pro Arztbesuch

  • Reform kostet jeden Patienten bis zu 600 €/Jahr
  • Sparziel 20 Milliarden Euro!

Österreichs Patienten verfolgen die deutsche Gesundheitsreform mit großem Interesse. Jetzt liegen die Eckpunkte vor, 20 Milliarden Euro sollen gespart werden! Zur Kassa gebeten werden die alle, die krank sind: Experten rechnen, dass jeder Patient bis zu 600 Euro pro Jahr für Arztbesuche, Medikamente, etc. ausgeben wird! Z.b. sollen Kranke bis zu 10% pro Arztbesuch selbst zahlen. Auf die Maßnahmen geeinigt haben sich die Unterhändler von Regierung und Opposition bei einem 13-stündigen Verhandlungsmarathon.

Die mögliche Gesamtbelastung der Patienten wurde in verhandlungsnahen Kreisen auf 400 bis 600 Euro im Jahr geschätzt! Das sind die wichtigsten Punkte der gemeinsam erarbeiteten Gesundheitsreform:

+ Der Zahnersatz wird aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung ausgegliedert, muss künftig privat abgesichert werden – laut CSU-Chef Edmund Stoiber ab 2005. Diese Zusatzversicherung ist verpflichtend! Patienten können entscheiden, ob sie eine private Zusatzversicherung abschließen oder alternativ höhere Krankenkassenbeiträge in Kauf nehmen.

+ Rezeptfreie Arzneimittel werden künftig gar nicht mehr von der Kasse bezahlt.

+ Dafür soll der Versandhandel (z.B. mit Bestellungen über das Internet) mit preiswerteren Medikamenten zugelassen werden.

+ Es wird eine Praxisgebühr von 10% pro Arztbesuch oder höchstens 10 Euro (pro Quartal) eingeführt, also maximal 40 Euro im Jahr (soll bar in den Praxen bezahlt werden). Kinder seien von dieser Gebühr ausgenommen. .

+ Für Krankenhausaufenthalte kommt eine Zuzahlung von zehn Euro täglich (maximal 28 Tage) so Seehofer. Höchstbelastung 300 Euro pro Jahr.

+ Auch für Leistungen wie Massagen muss künftig draufgezahlt werden (mindestens 5, maximal 10 Euro).

+ Die „Faustregel“ für die künftigen Zuzahlungen bei Medikamenten gelten 10 Prozent der Behandlungskosten, sollen 10 Euro im Einzelfall nicht überschreiten.

Beitragssatz soll gedrückt werden
Mit der Reform soll bis 2006 der durchschnittliche Beitragssatz der gesetzlichen Krankenkassen von derzeit rund 14,4 Prozent auf unter 13 Prozent gedrückt werden. Der Zeitraum der Reformen erstrecke sich bis 2007.

Die Gesamtzuzahlung der Patienten soll zwei Prozent des Bruttoeinkommens nicht übersteigen, bei chronisch Kranken ein Prozent. Zusätzliche Belastungen für die Patienten würden durch Beitragssenkungen ausgeglichen. (apa)

21.7.2003 08:02