Donnerstag, 24. Juli 2003

Bier und Wien adé? Alkohol-Verbot im Parlament angestrebt

  • Politikerinnen berichten von beschwipsten Kollegen, die lallend und schreiend im Plenarsaal herumlaufen
  • Thema in der nächsten Präsidiale

Hat es sich im Parlament bald ausgeschwipst? Die Nationalratspräsidenten Khol und Fischer kündigen nun Konsequenzen aus den Klagen einiger Mandatarinnen an, es werde im Parlament zu viel Alkohol getrunken. Die Vorwürfe sollen in der nächsten Präsidiale erörtert werden, so die "Kronen Zeitung", doch liege die Verantwortung bei den Abgeordneten. Khol will zudem keinen Missbrauch festgestellt haben, Fischer höchstens "einzelne Grenzfälle".

"Ich hab' mehrmals erlebt, dass in den Abendstunden diverse Kollegen leicht angetrunken, schreiend und gestikulierend im Plenarsaal auf und ab gelaufen sind", schildert SPÖ-Umweltsprecherin Ulli Sima in der jüngsten Ausgabe der Frauenzeitschrift "Wienerin". Auch Ulrike Lunacek von den Grünen hat einschlägige Erfahrungen: "Sobald Alkohol im Spiel ist, heizt sich die Stimmung an, und manche Kollegen finden es dann besonders lustig, zu stören."

Die grüne Frauensprecherin Brigid Weinzinger wundert sich, dass es "manche Klubs okay finden, wenn Mitglieder mit einem Alkoholpegel im Parlament sitzen, mit dem sie längst nicht mehr Auto fahren dürfen." Ein Alkoholverbot könnten sich Heidrun Silhavy und Bettina Stadlbauer (beide SPÖ) sehr gut vorstellen. Die Erinnerungen an einen Abgeordneten, "der bei seiner Rede wirklich gelallt hat", sind noch sehr lebendig.

ÖVP-Politikerin Silvia Fuhrmann hält zwar nichts von einem Verbot - "Wir sind ja nicht im Kindergarten" - bestätigt aber, dass auch ihr manchmal eine "kleine Fahne" entgegenweht. Was die Herren im Präsidium nicht sonderlich zu stören scheint, ärgert sich Ulrike Lunacek. Denn: "Bisher hat kein Präsident eingegriffen. Wären Frauen im Präsidium vertreten, würde das sicher stärker geahndet." (APA)

24.7.2003 12:01