Mittwoch, 23. Juli 2003

Mordprozess in Wels endete mit Schuldspruch

Mit einem einstimmigen Schuldspruch der Geschwornen wegen Mordes in drei Fällen endete am Mittwoch der Prozess gegen jenen 19-Jährigen aus Natternbach im Bezirk Grieskirchen, der zu Allerheiligen des vergangenen Jahres zuerst seinen 24-jährigen Bruder, dann seinen Vater und schließlich auch noch seine Mutter erschossen hatte. Der Angeklagte wurde zu 17 Jahren unbedingter Haft verurteilt.

Der Strafrahmen lag in diesem Fall - da der junge Mann zur Tatzeit noch nicht 21 Jahre alt war - zwischen fünf und 20 Jahren. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Der Angeklagte nahm sich Bedenkzeit. Das Urteil ist damit noch nicht rechtskräftig.

Der Angeklagte hatte sich beim Prozess geständig gezeigt, er konnte aber kein konkretes Motiv für die Bluttat nennen. "Ich war wie ferngesteuert", schilderte er sein Verhalten bei der Tat. Er habe sich in der Familie immer zurückgesetzt gefühlt, es habe oft Streit gegeben, obwohl nach außen der Eindruck eines intakten und glücklichen Familienlebens gewahrt worden sei.

Nicht verkraftet dürfte der 19-Jährige den Unfalltod seines Bruders im Jahr 2001 haben. Diesen Bruder hatte der Angeklagte geliebt und verehrt, über diesen Schicksalsschlag kam er vermutlich bis heute nicht hinweg, stellte auch der Psychiater fest.

Der junge Mann arbeitete in Lech am Arlberg als Maler und Anstreicher, zu Allerheiligen im Jahr 2002 kam er aber heim. Die Eltern und sein Bruder hätten aber von ihm nicht Notiz genommen, er sei nicht freundlich empfangen worden, erzählte der 19-Jährige. Das dürfte das "Fass zum Überlaufen" gebracht haben, meinte der Psychiater. In der Nacht zum 4. November 2002 griff der Angeklagte dann zur Pistole. Er tötete seine Eltern und seinen Bruder mit insgesamt elf gezielten Schüssen. (APA)

23.7.2003 19:53