Es ist viel zu heiß: Österreichs Gletscher schmelzen zu stark!
- Experte: Heuer droht Katastrophe
- In 100 Jahren könnten nur mehr 20 bis 30 Prozent der Gletscher verhanden sein
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Viel zu heiß, zu wenig Niederschlag, extreme Dürre - die Wetter-Kapriolen machen Experten große Sorgen: Auch den heimischen Gletscher droht Gefahr, weil sie viel zu stark schmelzen! 2003 könnte ein Katastrophenjahr werden. Wenig schützender Schnee vom Winter, hohe Temperaturen, kein neuer Schnee und Wüstenstaub vom vergangenen November sind der "giftige" Mix.
Bleiben auch August und September sommerlich, könnte der Rückgang des Eises heuer schlimmer ausfallen als im "Katastrophenjahr" 1947. "Die Vorzeichen stehen schlecht", so der Gletscherforscher Heinz Slupetzky im APA-Gespräch.
"Fest steht schon jetzt, dass die Gletscher wieder an Masse verlieren", so Slupetzky, der seit 40 Jahren die Veränderungen des Eises beobachtet. Die Voraussetzungen, dass es ein starker Verlust wird, seien gegeben, doch könne das schon durch mehrere Tage mit Schneefall abgefangen werden. Aber die Aussicht auf den restlichen Sommer sind - für die Gletscher - nicht gut.
Die Jahreszeitenprognosen eines Londoner Instituts, das die Hitze und Trockenheit im Frühsommer sehr genau vorhergesagt hat, lassen einen normalen Sommer erwarten, so Alexander Ohms, Meteorologe der Salzburger Wetterdienststelle. "Mit einem normalen Sommer wird nach dieser Hitze nicht viel zu retten sein. Denn bei 'normalen' August- und September-Temperaturen und -Niederschlagsmengen schmelzen die Gletscher weiter ab", so Ohms. Allerdings müsse man bei Jahreszeitenprognosen sehr vorsichtig sein.
Schon der trockene Winter hatte dafür gesorgt, dass wenig schützender Schnee über dem Eis lag, das man augenscheinlich nicht "ewig" nennen kann. Wo die "Schutzschicht" abschmolz, kam braun-ocker gefärbtes Eis zu Tage: Wüstenstaub, der im November 2002 bis zu den Alpen verfrachtet worden ist. "Ist der Gletscher dunkel, absorbiert er das Licht stärker, was zu stärkerem Abschmelzen führt", so Ohms. Auch die "Schafskälte", die normalerweise im Juni noch einmal für Schnee-Nachschub sorgt, blieb heuer aus.
"Schon Anfang Mai - das ist ungewöhnlich früh - war an der Gletscherzunge der Pasterze der Winterschnee weg, so dass im ganzen Mai und Juni auf der vier Kilometer langen Gletscherzunge fast ununterbrochen das Eis abschmolz", schildert Slupetzky in seinem "Gletschertagebuch". Anfang Juli sei der Gletscher bereits bis 2.900 Meter Höhe aper gewesen, in manchen Jahren sei dies erst Ende September der Fall. Am Stubacher Sonnblickkees sei die "Ausaperung" um drei Wochen früher eingetreten als im Vorjahr. Und der Wasserstand im Weißsee, der den Abfluss des Sonnblickkees auffängt, ist heuer schon fünf Meter höher als im Vorjahr und um zwölf Meter höher als 2001.
Das Stubacher Sonnblickkees in den Hohen Tauern hat in den vergangenen 20 Jahren 22 Millionen Kubikmeter verloren - das ist ein Fünftel seiner Gesamtmasse. "Wenn die Klimaerwärmung in diesem Tempo weitergeht, ist das Sonnblickkees in 80 Jahren verschwunden", so Slupetzky im "ORF ON Science". In 100 Jahren würden unter diesen Bedingungen nur mehr 20 bis 30 Prozent der Alpengletscher vorhanden sein.
1947 ging als "Katastrophenjahr" in die Annalen ein. Bei diesem "100-jährlichen Ereignis" verlor beispielsweise das Stubacher Sonnblickkees in einem einzigen Jahr 4,5 Millionen Kubikmeter an Masse, das sind rund 2,5 Meter Eisabschmelzung über den ganzen Gletscher.
Vermessen werden die Gletscher jedes Jahr erst im September. Die Ergebnisse präsentiert der Alpenverein dann im darauf folgenden Frühjahr.
(apa)
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