Dienstag, 22. Juli 2003

Teures Kranksein: "Speck bei Spitälern muss weg"

  • "Selbstbehalte allein lösen Problem nicht"
  • Deutsche Reform geht nicht weit genug

Kranksein wird teurer - in Österreich und in Deutschland (siehe Kasten), wo die jetzt beschlossene Reform dramatische Veränderungen bringt. Bis zu 600 Euro werden Patienten pro Jahr für Arztbesuch, Medikamente etc. berappen müssen. Aber Selbstbehalte allein werden das Problem nicht lösen - sagt der in Deutschland und in Österreich tätige Gesundheitsökonom Christian Köck. Er fordert: "Der Speck in den Spitälern muss weg." Er kann sich auch die Schließung von Krankenhäusern vorstellen!

Die Debatte über die Reform des Gesundheitswesens könnte nach dem Beschluss der Gesundheitsreform in Deutschland auch in Österreich neuen Schwung erhalten. Köck vermisst - in Deutschland wie in Österreich - vor allem Sparschritte bei den Spitälern.

Selbstbehalte allein könnten die Probleme nicht lösen, so Köck am Dienstag im Ö1-"Morgenjournal". Wie in Deutschland brauche man auch in Österreich eine ganz grundlegende Diskussion darüber, wie die Krankenhäuser finanziert werden sollen. Es gebe ein massives Überangebot an Spitalsbetten und im stationären Bereich. Österreich habe eine der höchsten Aufnahmeraten in Europa.

"Wirklicher Speck bei Krankenhäusern"
Druck auf die Medikamentenkosten sei richtig, betreffe aber nur 20 Prozent der gesamten Kosten. "Der wirkliche Speck ist bei den überflüssigen Krankenhäusern und den dadurch ausgelösten zu häufigen Spitalsbesuchen", betonte Köck. Auf der einen Seite müsse es Maßnahmen geben, die die Patienten dazu veranlassen, unnötige Leistungen zu vermeiden oder zumindest zu hinterfragen. Als Beispiel nannte Köck Doppeluntersuchungen.

Andererseits müssten die Gemeinden und Länder komplette Stationen, Abteilungen und ganze Krankenhäuser schließen. Denn ein bestehendes Angebot schaffe zusätzliche Nachfrage, die unnötig sei und für den Patienten keinerlei Nutzen bringe, meinte der Gesundheitsökonom. Das Sparpotenzial liege "weit jenseits der Milliarden-Euro-Grenze", so Köck. (apa)

22.7.2003 09:34