Sonntag, 20. Juli 2003

Trophäe Barrichellos für Sieg in Silverstone zerbrochen

  • Brasilianer triumphiert im Chaos-GP vor Montoya & Räikkönen
  • BILDER: Lebensmüder läuft auf die Rennstrecke!

Rubens Barrichello hat am Sonntagnachmittag mit einer tollen Leistung den elften Formel-1-WM-Lauf der Saison gewonnen. Der 31-jährige triumphierte in Silverstone nach ungemein spannendem Rennverlauf mit zwei Safety-Car-Phasen, einem Verrückten auf der Strecke und 60 Runden vor dem Williams-BMW-Piloten Juan Pablo Montoya sowie Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes. Keine lange Freude hatte Barrichello allerdings mit seiner Siegestrophäe. Der Pokal wurde während der Heimreises des Ferrari-Piloten auf dem Londoner Flughafen umgestoßen und zerbrach. "Ich hoffe, ich bekomme von den Veranstaltern einen neuen Pokal", sagte Barrichello nach seiner Ankunft in Sao Paulo.

In der WM-Wertung führt fünf Rennen vor Schluss weiter Titelverteidiger Michael Schumacher. Der Ferrari-Star wurde in England Vierter und hält nun bei 69 Zählern. Damit hat der Deutsche noch sieben Punkte Vorsprung auf Räikkönen. Neuer WM-Dritter ist nun Montoya, der bei 55 Zählern hält, da sein Teamkollege Ralf Schumacher (53) am Sonntag erstmals in dieser Saison ohne Punkte blieb.

Trullis Traumstart jäh gestoppt
Der aus der ersten Reihe gestartete Renault-Pilot Jarno Trulli erwischte einen Traumstart, und auch Räikkönen zog noch am Pole-Mann Barrichello vorbei. In der sechsten Runde wurde die Tempobolzerei aber erstmals jäh gestoppt, da David Coulthard den Kopfschutz seines McLaren-Mercedes verloren hatte und deshalb das Safety-Car auf die Strecke musste, damit die gefährlich mitten auf dem Kurs liegenden Trümmer geborgen werden konnten. Auch nach dem Restart änderte sich zunächst an der Reihenfolge des Spitzentrios nichts, dahinter folgten die beiden Schumacher-Brüder Ralf und Michael sowie Montoya auf den Plätzen vier bis sechs.

Ein Irrer auf der Strecke!
In der elften Runde überholte dann aber Barrichello mit seiner ersten Glanztat erstmals den Silberpfeil von Räikkönen. Wenig später musste das Rennen erneut durch eine Safety-Car-Phase entschärft werden, allerdings wegen eines unglaublichen Grundes: Ein in den irischen Nationalfarben mit schottischem Kilt bekleideter verrückter Zuschauer war mit Protest-Transparenten in der linken Hand sowie auf der Brust auf die Strecke gestürmt - "Man on track" lautete die offizielle Mitteilung der Rennleitung auf den Anzeige-Computern der Teams - und gefährdete damit nicht nur die Piloten, sondern auch sein eigenes Leben.

Störenfried konnte überwältigt werden
Es dauerte sehr lange, bis die Streckenposten den 56-jährigen Wahnsinnigen, der die Hangar-Gerade hinauflief - dort beschleunigen die Boliden bis auf 300 km/h! -, überwältigen und vom Kurs entfernten. Dafür wird es heftige Schelte für die Veranstalter in Silverstone geben. Der Störenfried wurde festgenommen und von der Polizei verhört.

Boxenstopp-Orgie nach Zwischenfall
Nach dem Zwischenfall mit dem "Ir(r)en" fuhren fast alle Piloten sofort in die Box zum Nachtanken und Reifenwechseln, wodurch das Klassement heftigst durcheinander gewirbelt wurde. Die Toyota-Piloten Cristiano da Matta und Olivier Panis, die bereits während der ersten Safety-Car-Phase Stopps eingelegt hatten, führten vor dem inzwischen reparierten "Silberpfeil" von Coulthard das Feld vor dem zweiten Restart an. Räikkönen schob sich mit drei Blitz-Überholmanövern an Trulli, Coulthard und Panis aber sofort an die zweite Stelle vor. WM-Spitzenreiter Michael Schumacher rangierte zu diesem Zeitpunkt nur an der 13. Stelle.

"Rubinho" setzt sich an die Spitze
Erst Ende der 30. Runde übernahm Räikkönen die Spitze, weil da Matta zum zweiten Mal an die Box musste. Erster Verfolger des Finnen war auch nach Abschluss der zweiten Stopp-Serie Barrichello, der sich mit mehreren sehenswerten Überholmanövern vorgearbeitet hatte. In der 42. Runde war dann auch der "Iceman" fällig und "Rubinho" nahm Kurs auf den sechsten Sieg seiner Karriere, den ersten seit Indianapolis am 29. September des Vorjahres.

"Das ist ein fantastisches Gefühl", frohlockte "Rubinho", der noch zu Wochenbeginn auf Grund seiner bisher schwachen Saison in den italienischen Medien als "Ente" verspottet worden war und bei der Siegerehrung Freudentränen vergoss. Dass ihm gleich mehrere spektakuläre und scheinbar unmögliche Überholmanöver gelangen, führte der Südamerikaner, der einmal mehr betonte, dass er sich "nicht als Nummer zwei im Team" fühle, auf seine Bridgestone-Pneus zurück. "Ich habe den Reifenvorteil voll ausgenutzt!"

Montoya und Schumi schieben sich nach vorn
Räikkönen ließ dagegen nach einem Fahrfehler in der 48. Runde, den Montoya sofort ausnutzte und am Finnen vorbeizog, wichtige WM-Punkte liegen. "Ich bin aber froh, dass ich nach diesem Abflug überhaupt noch weiterfahren konnte", betonte der WM-Zweite, der gestand, dass Barrichello an diesem Tag nicht zu schlagen war. "Rubens war viel zu stark. Den konnte heute keiner halten."

Montoya orientierte sich an Barrichello und fuhr so noch auf Rang zwei vor. "Ich habe beim ersten Boxenstopp lange warten müssen, weil Ralf unmittelbar vor mir reingekommen war, und bin dadurch weit zurückgefallen. Doch ich habe mich dann an Rubens angehängt, ihn beobachtet und auch viele Gegner überholt", erklärte der Kolumbianer. Auch Michael Schumacher startete eine tolle Aufholjagd und war am Ende mit Rang vier "zufrieden". Der 34-Jährige lobte aber in erster Linie seinen Teamkollegen: "Rubens ist ein tolles Rennen gefahren und hat verdient gewonnen." (apa/red)

20.7.2003 09:40
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts