Freitag, 18. Juli 2003

McLaren droht ein verlorenes Jahr in der Formel 1

  • Noch immer kein neues Auto - der "Delfin" lässt auf sich warten
  • Auch Coulthard entwickelt sich zum Sorgenkind

Für McLaren-Mercedes könnte 2003 ein verlorenes Jahr in der Formel 1 werden. Alle Hoffnungen im britisch-deutschen Team lagen auf dem neuen Silberpfeil. Doch diese scheinen sich aufzulösen. Nachdem das Renndebüt des neuen MP4-18 - wegen seiner schlanken Form von den Medien "Delfin" getauft - auch für den Grand Prix von Großbritannien am Sonntag in Silverstone abgesagt wurde, ist aus der Frage, wann das neue Auto kommt, längst die Frage "Kommt es überhaupt?" geworden.

McLaren-Chef Ron Dennis deutete bereits an, was mittlerweile viele erwarten: "Mag sein, dass der neue Wagen in diesem Jahr nicht mehr zum Einsatz kommt." "Das neue Auto würde mir das Leben sicher leichter machen, weil es schneller ist als das jetzige. Aber es macht keinen Sinn, es einzusetzen, wenn es noch nicht zuverlässig ist", sagt Kimi Räikkönen, dank einer starken Saisonhälfte noch immer Zweiter mit 56 Punkten in der Fahrerwertung hinter Ferrari-Star Michael Schumacher (64). Bei den jüngsten Tests erwies sich das neue Modell als wenig renntauglich.

Alter Bolide kann noch mithalten
Für Räikkönen und McLaren-Mercedes ist das bitter. Die Chancen, 2003 Ferrari und Weltmeister Michael Schumacher die Titel streitig zu machen, sind so gut wie seit drei Jahren nicht mehr. Räikkönen tröstet sich damit, dass das völlig modifizierte Vorjahresmodell MP4-17D mit den derzeit führenden Autos von Ferrari und Williams-BMW mithalten kann. "Wenn alles in Ordnung ist, können wir gewinnen. Auch hier in Silverstone", betonte der Finne im Vorfeld des elften WM-Laufs in England.

Suche nach dem Schuldigen
Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei McLaren-Mercedes derzeit auseinander. Längst hat intern die Suche nach den Schuldigen für die sich langsam zur Blamage ausufernden Probleme beim neuen Modell begonnen. Motorkonstrukteur Mario Illien und McLaren-Technikchef Andrew Newey stehen angeblich in der Kritik. Für die Zukunft sucht McLaren-Mercedes Hilfe von außen und hat vom erfolgreichen Konkurrenten Williams-BMW McLaren-Mercedes bereits drei Ingenieure abgeworben.

Coulthard fährt nur mehr hinterher
Neben dem neuen Wagen entwickelt sich auch David Coulthard zum Sorgenkind. Wieder einmal fährt der Schotte den Erwartungen hinterher. Nach seinem Sieg zum Saisonauftakt in Australien verpasste der 32-Jährige in den neun nachfolgenden Rennen regelmäßig das Podium oder fiel aus. Beinahe zwangsläufig tauchen Spekulationen um Coulthards Zukunft bei den "Silbernen" auf. Laut "Bild"-Zeitung soll Dennis bereits die Fühler nach Juan Pablo Montoya ausgestreckt haben. Sollte der Wechsel spätestens 2005 klappen, wäre der Kolumbianer schon der dritte Mann von Williams-BMW, der das Lager wechselt. (apa/red)

18.7.2003 13:43
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