Freitag, 18. Juli 2003

David Kelly: BBC-Gespräch besiegelte sein Schicksal

  • Saddam bestimmte ein Jahrzehnt im Leben des ABC-Experten

Er war Waffeninspektor der Vereinten Nation im Irak und Berater des britischen Verteidigungsministeriums. Bei der Labour-Regierung machte sich David Kelly unbeliebt, weil er mit der BBC sprach - und angeblich die Zweifel an der Kriegsbegründung von Premier Tony Blair nährte. Dann fand man im Sommer seine Leiche in der Nähe seines Wohnortes. Der 59-Jährige stand wegen des Irak-Waffendossiers enorm unter Druck.

Kelly hatte vor dem außenpolitischen Ausschuss des Unterhauses gesagt, er habe mit dem BBC-Reporter gesprochen. Er glaube jedoch nicht, dass er die Quelle für den Fernsehbericht gewesen sei. In dem Bericht hieß es, die Regierung habe Angaben des Geheimdienstes verändert, um eine stärkere Rechtfertigung für den Irak-Krieg vorlegen zu können. Umstritten ist insbesondere die Aussage, Irak sei innerhalb von 45 Minuten zum Einsatz biologischer oder chemischer Waffen bereit gewesen.

Saddam Hussein habe nach der Invasion Kuwaits 1990 mehr als ein Jahrzehnt seines eigenen Lebens bestimmt, sagte David Kelly einmal. Der irakische Machthaber hat den britischen Biowaffenexperten wohl selbst in den Tod begleitet: In der Affäre um mutmaßlich künstlich "aufgeplusterte" Geheimdienstangaben über die irakischen Waffenarsenale galt der scheue Kelly als eine der zentralen Figuren. Der von Kollegen als "sehr professionell" beschriebene Kelly war so zurückhaltend, dass ihn selbst einige seiner Nachbarn nicht kannten.

Seit Jahrzehnten forschte der auf Viren spezialisierte Wissenschaftler über die Abwehr biologischer und chemischer Kampfstoffe. In den 90er Jahren weilte der schmächtige, graubärtige Mann lange Zeit zu brisanten Missionen im Ausland. So untersuchte er 1991 bis 1994 das russische Biowaffen-Programm. Im Anschluss ging er im Auftrag der Vereinten Nationen als Waffeninspektor nach Irak und reiste zwischen 1994 und 1997 insgesamt 37 Mal in dem Golfstaat.

Als Fachmann für Saddam Husseins Waffen musste er im September dem Auswärtigen Ausschuss des Unterhauses Rede und Antwort stehen. Damals traf Kelly auch erstmals den BBC-Reporter Andrew Gilligan. Der auf Enthüllungsberichte spezialisierte Gilligan richtete im Mai schwere Vorwürfe an Blairs Kommunikationschef Alastair Campbell: Der Londoner "Spin Doctor" habe einen als Rechtfertigung für den Krieg dienenden Bericht über Iraks Massenvernichtungswaffen "sexier" machen lassen. (APA)

18.7.2003 16:40
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