Sonntag, 20. Juli 2003

Ex-Guantanamo-Häftling und Iraker klagen die USA

  • Schmerzensgeld und Schadenersatz gefordert
  • PLUS: US-Präsident Bush wird immer unbeliebter (Kasten)

Jetzt haben die US-Kriege gegen Afghanistan und den Irak auch juristische Nachspiele! Ein in Afghanistan gefangener und bis November 2002 auf Guantanamo Bay festgehaltener Ex-Häftling fordert von den USA 10 Millionen Dollar Schmerzensgeld. Und ein irakischer Schäfer klagt US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und US-General Tommy Franks auf Schadenersatz wegen des Todes von 17 Familienangehörigen.

Ein ehemaliger Guantanamo-Häftling hat die USA vor einem Gericht in Islamabad auf 10,4 Millionen Dollar (9,28 Mio. Euro) Schmerzensgeld wegen "Folter und Demütigung" verklagt. "Fast ein Jahr lang war ich der schlimmsten Art von Folter, unmenschlicher Behandlung und Demütigung ausgesetzt, zuerst in Afghanistan, dann in Kuba", sagte der 53-jährige Mohammad Sageer am Sonntag bei der Einreichung seiner Klage. Während seiner Verhöre habe er eine Woche in einer eiskalten Zelle sitzen müssen. "Sie fragten mich fortwährend: Wo ist Osama bin Laden, was weißt Du über El Kaida, die Taliban, ihren Anführer Mullah Omar. Ich sagte, dass ich zum ersten Mal von El Kaida höre."

Schäfer klagt Rumsfeld und Franks
Ein irakischer Schäfer hat US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und den Ex-Oberkommandanten Tommy Franks wegen des Todes von 17 Familienmitgliedern bei einem US-Bombardement verklagt. Der 71-jährige Abud Sarhan reichte die Klage am Sonntag in einem Gericht in der irakischen Stadt Ramadi rund hundert Kilometer westlich von Bagdad ein. Sarhan sagte vor Journalisten, ein Kampfflugzeug habe am 4. April sein Zelt in der Wüste angegriffen und neben den 17 Familienangehörigen auch etwa 200 seiner Schafe getötet. Zuvor seien die Bewohner der Gegend jedoch auf US-Flugblättern aufgefordert worden, vor etwaigen Bombardements Schutz in der Wüste zu suchen, da sich in Ramadi irakische Militäreinrichtungen befunden hätten.

Er habe die Hoffnung, dass "das Gesetz seinen Weg geht" und auch der Pilot des Kampfjets zur Rechenschaft gezogen werde, sagte der Schäfer. Für die ihm entstandenen Schäden erwarte er zumindest Schadenersatz, fügte Sarhan unter Tränen hinzu. "Ich wäre am liebsten mit ihnen gestorben", sagte er unter Hinweis auf seine getöteten Angehörigen. (APA/red)

20.7.2003 21:47