Miese Moral: US-Soldaten im Irak immer stärker verunsichert
- Offene Einsatzdauer & tägliche Angriffe
- PLUS: Streit in den USA um falsche Beweise vor Irak-Krieg, CIA-Chef Tenet übernimmt Verantwortung
·Irak-'Beweise'
CIA übernimmt
die Verantwortung
·Irak-Beweise?
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Als sei ihre Motivation angesichts täglicher feindlicher Angriffe aus dem Hinterhalt und mangelnder Fortschritte beim Wiederaufbau nicht ohnehin schon angeknackst, bekamen die US-Soldaten im Irak von ihrem ehemaligen Oberbefehlshaber einen zusätzlichen Dämpfer verpasst. Vor dem US-Kongress zerschlug Tommy Franks die Hoffnungen vieler auf ein baldiges Ende ihres Militäreinsatzes. Zwei bis vier Jahre könne der Einsatz noch dauern, "ich weiß es nicht genau", sagte Franks, der während des Krieges als Chef des US-Zentralkommandos die Truppen im Irak befehligte.
Seine Soldaten nahmen die Botschaft mit Zähneknirschen auf. Für viele von ihnen bedeutet dies, dass sie auf absehbare Zeit nicht abgelöst werden und nach Hause zurückkehren können. "Das schwächt schon die Moral", sagt eine junge Wachsoldatin vor dem US-Stützpunkt in Ramadi. Die hundert Kilometer westlich von Bagdad gelegene Stadt liegt in dem mehrheitlich von Sunniten bewohnten Landesteil, in dem offenbar Anhänger des gestürzten Staatschefs Saddam Hussein fast täglich Anschläge auf die Besatzungstruppen verüben. "Ich will hier jedenfalls nicht mehr lange bleiben", betont die junge Frau.
Dass sich ihr Wunsch aller Voraussicht nach nicht erfüllt, weiß auch Hauptmann Michael Calvert. Nach seiner Einschätzung ist den etwa tausend Soldaten des dritten Kavallerieregiments in Ramadi klar, dass ihr Auftrag um sechs Monate auf ein Jahr verlängert wird: "Die meisten von uns haben das Gefühl, dass das eine sehr lange Operation wird."
Einsatzdauer bleibt ungewiss
Zusätzlich zu den fast täglichen Nachrichten über tödliche Angriffe auf Kameraden aus dem Hinterhalt und der zwielichtigen Beweisführung ihrer Regierung zur Rechtfertigung des Krieges müssen die US-Soldaten sich jetzt auch mit der Ungewissheit über die Länge ihres Auftrages auseinandersetzen. Dabei ist ihr Auftrag alles andere als leicht. Ihr Einsatzbereich umfasst Polizeiaufgaben ebenso wie die Suche nach Massenvernichtungswaffen. Für Dutzende endete der Irak-Einsatz auch nach dem Sturz Saddam Husseins bereits tödlich. Mindestens 33 US-Soldaten kamen seit dem offiziellen Ende der Kampfhandlungen am 1. Mai durch feindliche Angriffe und Anschläge ums Leben, sechs sind es bisher in den Reihen der britischen Kriegsverbündeten.
"Ich muss bleiben. Ich bleibe."
Die junge Soldatin Andrea Dominique Allen gibt sich angesichts der andauernden Bedrohung unerschrocken: "Ich habe eigentlich keine große Angst", sagt die 18-Jährige aus Florida. Dabei ist ihr Stützpunkt fast täglich Ziel von Mörsergranaten. Auf die Frage nach ihrer Motivation angesichts der wahrscheinlichen Verlängerung ihres Einsatzes gibt sie sich pflichtbewusst: "Ich muss bleiben. Ich bleibe." In Allens Einheit kursieren zwar Gerüchte, sie sollten im September abgelöst werden; doch wann sie wieder nach Hause zurückkehren wird, ist für die Soldatin ebenso ungewiss wie für ihre Kameraden.
Mark Alacqua von der dritten US-Infanteriedivision in der Widerstands-Hochburg Falluja westlich von Bagdad hat sein Privatleben jedenfalls erst einmal abgeschrieben. Seine Frau und seine Kinder habe er seit Jänner nicht mehr gesehen, sagt der Hauptmann und zieht zwei Fotos seiner ein und zwei Jahre alten Söhne aus der Brieftasche. Der Anwalt aus Long Island wurde als Reservist für den Irak-Einsatz eingezogen und rechnet damit, dass er auch seine Kanzlei im nächsten halben Jahr nicht wird betreten können. "Meine Partner hassen mich dafür heute schon mehr als meine Frau." (APA)
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