Donnerstag, 17. Juli 2003

Saddam Hussein: "Al Arabiya" sendet Tondband

  • Saddam zu Kriegsrechtfertigung: "Bush und Blair sind Lügner"
  • Auch "Al Jazeera" veröffentlicht neuen Saddam-Aufruf

Saddam Hussein ist wieder da. Genau wie der in Afghanistan vom US-Militär nicht gefundene Osama bin Laden meldet sich nun auch der irakische Ex-Staatschef immer öfter per Tonband. Zwei arabische TV-Sender strahlten nun am Donnerstag erneut eine angebliche Botschaft Husseins aus. Darin rief dieser zum Widerstand gegen die US-Truppen im Irak auf und bezeichnete US-Präsident George Bush und den britischen Premier Tony Blair als "Lügner".

Die Botschaft dürfte jedenfalls erst in den vergangenen Tagen aufgenommen worden sein, setzte es doch auch Kritik am neu eingesetzten Übergangsrat im Irak. Die Ratsmitglieder seien "dem Willen von Ausländern entsprungen, daher sind sie Diener der Ausländer, nicht Diener des Volkes". Die USA hatten am Wochenende ein als "Regierungsrat" bezeichnetes Gremium aus 13 Schiiten, fünf Sunniten, fünf Kurden, einem Christen und einer Turkmenin eingesetzt, dessen Beschlüsse von der Zustimmung des US-Administrators Bremer abhängig sind.

Ziel der Besatzer sei es, den Irak zu schwächen und den Willen des Landes zu brechen, erklärte die Stimme auf dem Tonband. "Die einzige Lösung ist ein Jihad (Heiliger Krieg)", sagte die Stimme, die Saddam Hussein gehören soll. Sie wirft US-Präsident Bush und dem britischen Premierminister Blair vor, zur Rechtfertigung der Irak-Krieges gelogen zu haben.

Erst vor knapp zwei Wochen hatte der Fernsehsender "Al Jazeera" ein Tonband ausgestrahlt, auf dem nach Einschätzung des US-Geheimdienstes CIA höchstwahrscheinlich Saddam Husseins Stimme zu hören war. Damals hatte er zum Widerstand gegen die US-Besatzungstruppen im Irak aufgerufen.

Vor genau 35 Jahren, am 17. Juli 1968, hatte die Machtergreifung der Baath-Partei unter General Ahmed Hassan al Bakr und seinem jungen Stellvertreter Saddam Hussein stattgefunden, der elf Jahre später Staatschef wurde. Der von den USA neu eingesetzte 25-köpfige Verwaltungsrat, der sich bisher noch nicht auf einen Vorsitzenden einigen konnte, hatte erst am Sonntag den 17. Juli als Feiertag abgeschafft. (APA/red)

17.7.2003 13:52