Donnerstag, 17. Juli 2003

Journalistin in iranischem Gefängnis totgeprügelt

  • Hirnblutungen als Folge von Polizei-Schlägen
  • Pressegewerkschaft fordert harte Strafen für die Täter

Im Iran ist eine kanadisch-iranische Journalistin im Gefängnis zu Tode geprügelt worden. Das bestätigte die Regierung in Teheran am Mittwoch. Zahra Kazemi (54) war vergangenen Freitag gestorben. Als Todesursache hatten die Behörden zunächst einen Schlaganfall angegeben.

Die erste offizielle Todesursache wurde von Verwandten der Journalistin und der iranischen Opposition angezweifelt. Die freie Fotografin aus Quebec war am 23. Juni festgenommen worden, weil sie Studentendemonstrationen gegen die islamistischen Machthaber fotografierte.

Hirnblutungen nach Polizei-Schlägen
"Sie starb an Hirnblutungen in Folge von Schlägen", sagte Vizepräsident Mohammed Ali Abtahi bei einer Pressekonferenz. Ein Regierungssprecher fügte hinzu, die Schuldigen würden zur Verantwortung gezogen.

Kanada will sich einschalten
Kanada forderte die Überführung der Leiche und will selbst ermitteln. Dies wies der iranische Gesundheitsminister zurück.

"Unwohlsein"
Ursprünglich hatten die iranischen Behörden erklärt, die Fotografin sei wegen "Unwohlseins" bei den Verhören von Mitarbeitern des Geheimdienstministeriums in ein Teheraner Krankenhaus eingeliefert worden. Freunde hatten die 54 Jahre alte Fotoreporterin kurz vor ihrem Tod dort besucht. Sie berichteten, Kazemi sei nicht bei Bewusstsein und habe Schnitte und Prellungen am Kopf und im Gesicht.

Nach den Unruhen vom 9. Juli waren insgesamt 250 Menschen, darunter 20 Reporter, festgenommen worden.

Gewerkschaft fordert harte Bestrafung
Am Mittwoch forderte auch die iranische Pressegewerkschaft APF harte Strafen für die Verantwortlichen. Es sei sehr ungewöhnlich, dass eine Journalistin während eines Verhörs sterbe.
(apa, red)

17.7.2003 08:54