Putsch in westafrikanischem Sao Tome & Principe
- Premierministerin & Regierungsmitglieder vom Militär verhaftet
- Inselstaat zählt zu den ärmsten Ländern der Welt
Meuternde Militärs haben in dem westafrikanischen Inselstaat Sao Tome und Principe die Ministerpräsidentin Maria das Neves de Sousa in ihre Gewalt gebracht und Regierungsgebäude besetzt, wie der portugiesische Rundfunk am Mittwoch berichtete. Staatspräsident Fradique de Menezes hielt sich zu einem Besuch in Nigeria auf.
Die Regierungschefin soll einen Herzanfall erlitten haben und von den Putschisten in ein Krankenhaus gebracht worden sein, hieß es. Gegen 03.30 Uhr seien Schüsse zu hören gewesen, und die Regierungschefin sei von aufständischen Soldaten festgenommen worden. Noch nach Stunden habe es vereinzelte Gefechte gegeben. Berichte über etwaige Verletzte lagen nicht vor, die Straßen der Hauptstadt Sao Tome waren weitgehend verlassen.
Die Aufständischen brachten in der Nacht auch die Zentralbank sowie die Radio- und Fernsehstationen unter ihre Kontrolle. Zahlreiche Abgeordnete und mehrere Minister seien dem Aufruf der Rebellen gefolgt, sich in den Polizeiwachen zu stellen. Die Minister für Erdöl und Verteidigung sowie der Parlamentspräsident befänden sich in den Händen der Putschisten.
Als Hintergrund des Putsches wurden sozialer Unmut und ein Streit um kürzlich entdeckte Erdölvorkommen in dem bitterarmen Land vermutet. Die seit 1975 unabhängige frühere portugiesische Kolonie Sao Tome und Principe liegt vor der Küste Gabuns und gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Die rund 170.000 Einwohner haben in den vergangenen Jahren unter politischer Instabilität auf Grund von Machtkämpfen rivalisierender Parteien zu leiden gehabt. Nahezu 50 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sind arbeitslos. Die nicht im Parlament vertretene "Christdemokratische Front" hatte in den vergangenen Tagen zu Demonstrationen aufgerufen, um den Rücktritt der Regierung zu erzwingen.
Der Bischof von Sao Tome und Principe hat die mehrheitlich katholische Bevölkerung aufgerufen, ein Blutvergießen zu vermeiden. Der Bischof appellierte an die Bürger, Ruhe zu bewahren. Alle sollten die Rückkehr von Präsident de Menezes abwarten. (APA/red)
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