Dienstag, 15. Juli 2003

Liberia: Mehr als 600 Zivilisten in Monrovia getötet

  • 100 Tote durch Granatwerfer-Beschuss

Bei den erbitterten Kämpfen zwischen Rebellen und Armee im westafrikanischen Staat Liberia sind nach Medienberichten Hunderte Menschen getötet worden. Verteidigungsminister Daniel Chea sprach am Dienstag von mehr als 600 Toten. Nach Angaben von internationalen Hilfsorganisationen werden zur Zeit mehrere Hundert Verletzte in Krankenhäusern medizinisch versorgt.

Die jüngsten Kämpfe um die Hauptstadt Monrovia begannen mit einer Offensive der Rebellenorganisation LURD am vergangenen Freitag. Insgesamt wurden seit Montag mehr als 360 Menschen verletzt. Am Dienstag gingen die Kämpfe um das strategisch wichtige Hafengebiet von Monrovia unvermindert weiter. Rebellen hätten erneut versucht, zwei Brücken vom Hafen in die Innenstadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Auch im Vorort Gardnersville werde gekämpft, verlautete aus Militärkreisen.

US-Präsident lhent Truppenentsendung ab
Trotz aller internationaler Aufforderungen und der schweren Gefechte lehnt US-Präsident Bush bisher die Entsendung amerikanischer Friedenstruppen nach Liberia ab. Er verlangt zunächst den Rücktritt und die Ausreise von Liberias Präsident Charles Taylor, dessen Armee gegen die vorrückenden Rebellen kämpft. Die USA beobachteten die Situation in Liberia sehr genau, erklärte Bush am Montag auf seiner Ranch in Texas.

Die internationale Hilfsorganisation Oxfam rief Washington auf, das Warten zu beenden. Sprecher Sam Nagbe erklärte in Monrovia, solange die Kämpfe andauerten, könne man keine Hilfe leisten: "Wir brauchen die internationalen Friedenstruppen jetzt, nicht erst in ein oder zwei Monaten".

Auch die Rebellen verlangen, dass Taylor das Land verlässt. Dieser hat sich dazu auch grundsätzlich bereit erklärt, verlangt jedoch, dass zuvor eine internationale Friedenstruppe die Sicherheit im Land garantiert. (apa)

15.7.2003 15:37