Mittwoch, 9. Juli 2003

Streit über freie Werkstättenwahl

  • Werkstätten weisen Schuld an Millionendefiziten von sich

Im Zwist über Prämienenerhöhungen bei der Kfz-Versicherung haben die Reparaturwerkstätten die Verantwortung für dreistellige Millionendefizite in den Assekuranzen von sich gewiesen. Die Versicherer und ihre Prämiengestaltung seien selbst dafür verantwortlich. "Die Versicherungswirtschaft versucht Druck auf die Werkstätten zu machen, obwohl es eigentlich um falsch kalkulierte Prämien geht", sagte Alois Edelsbrunner, Innungsmeister der KfZ-Techniker.

Besonders verärgert sind die Reparaturbetriebe darüber, dass Versicherungen zunehmend dazu übergehen, Kasko-Fälle an so genannte "Partnerwerkstätten" zu vergeben, die im Gegenzug kalkulatorisch nicht gedeckte Sonderleistungen erbringen müssten.

KfZ-Techniker und Autohandel haben als Antwort darauf eine Informationskampagne über das "richtige Versichern" gestartet, mit der die Konsumenten angeleitet werden, auch das "Kleingedruckte" in den Versicherungsverträgen zu lesen. So soll Autokäufern klar gemacht werden, dass viele Kasko-Verträge keine freie Werkstattwahl vorsehen. Man werde auch die "Konsumentenschützer ersuchen, aufklärend auf die Konsumenten einzuwirken", hieß es.

"Wir lassen uns von den Versicherungen mit ihren versuchten Machenschaften nicht mirnixdirnix auseinander dividieren", meinte ein erzürnter Innungsmeister der Karosseriebauer, Michael Keller. Quantitativ soll das Problem von Partnerwerkstätten freilich noch nicht so groß sein: "Weniger als 5 Prozent" der über 6.000 Werkstätten, so die Schätzung, seien derzeit mit solchen Partnerverträgen an Assekuranzen gebunden.

Die Kfz-Werkstätten weisen die von den Versicherungen behaupteten starken Steigerungen der Reparaturkosten zurück, räumen aber ein, dass neue Verbundstoffe in den Karosserien, immer hochwertigeren Lack, aber auch immer teurere Bestandteile Autoreparaturen naturgemäß immer teurer machten. Schützenhilfe erhalten sie vom Fahrzeughandel, dessen Chef Heinz Havelka meinte: "Die Versicherungen sind selbst schuld, weil sie die Prämien nicht an die gestiegenen Leistungen angepasst haben." (apa/ red)

9.7.2003 16:27