Mittwoch, 9. Juli 2003

Was wirklich schlank macht - Die neue Ernährung

  • In der Ernährungswissenschaft findet derzeit ein Umdenken statt

Wenn er das noch erlebt hätte. Nur wenige Monate nach seinem Unfalltod im April dieses Jahres kommt der amerikanische Mediziner und Diät-Papst Robert Atkins plötzlich und unverhofft zu neuen Ehren.

Seine seit Jahrzehnten umstrittene Diät, bei welcher der Genuss von Fett sowie von Eiweißträgern wie Fleisch nahezu grenzenlos gestattet, der von Kohlenhydraten jedoch strikt verboten ist, erhält plötzlich Schützenhilfe aus einer bislang eher kritischen Quelle. Denn nachdem die Forschung Atkins’ machohaften Ernährungsplan all die Jahre entweder als schädlich oder aber als nutzlos abgestempelt hatte, haben zwei wissenschaftliche Studien jetzt unabhängig voneinander ergeben, dass an der Fett-und-Eiweiß-Kur doch mehr dran sein könnte, als bisher angenommen.

Das Atkins-Revival. Die in den 70er Jahren ersonnene Diät, übrigens eine der meistprobierten Abnehmkuren der Welt, schnitt nämlich bei zwei voneinander unabhängig durchgeführten Forschungsreihen in den USA viel besser ab als andere Diäten:

  • Einerseits verloren die Atkins-Anwender in der gleichen Zeit mehr als doppelt so viel Gewicht wie ihre fettleibigen Kollegen mit kohlenhydratreichen Diäten – die Atkins-Patienten nahmen binnen drei Monaten 6,6 Kilo ab, die anderen Patienten „nur“ 2,6 Kilo.
  • Und zweitens gelang das, ohne bei den Probanden gesundheitliche Defizite oder Mangelerscheinungen hervorzurufen, was bislang am stärksten gegen die Atkins-Diät gesprochen hatte. Doch durch eine neuartige, kluge Zusammenstellung der Nährstoffe gelingt es immer besser, auch diese eher sehr einseitige Diät von den Nebenwirkungen her in den Griff zu bekommen.

    Die neuen Diät-Regeln. Trotzdem ist allen Ernährungsexperten völlig klar, dass jede Form von Eiweiß-Diät, sei sie nun streng nach Doktor Atkins zusammengestellt oder etwas „sanfter“ aufgebaut, keine dauerhafte Lösung aller Gewichtsprobleme darstellt. „Solch eine Diät kann, wenn überhaupt, nur als Einstieg gesehen werden“, meint etwa der Internist Fritz Hoppichler, Primar am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg. „Wer dauerhaft abnehmen und sein Gewicht auch halten will, der muss eine Ernährung finden, die auch lebbar ist.“ Ein Umstand, der bei der Atkins-Diät nur für die wenigsten gegeben sein dürfte.

    Doch es wird zunehmend erkannt, dass es für einen dauerhaften Abnehmerfolg durchaus zielführend sein kann, die bislang geltenden Ernährungsregeln zu überdenken.

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    9.7.2003 16:46