Berlusconi - Europas umstrittenster Unternehmer
- Wie Padrone Silvio Berlusconi zu Reichtum und Macht kam
Der Mann liebt schlechte Scherze(siehe Kasten). Seit er einen deutschen Abgeordneten zum EU-Parlament mit einem KZ-Kapo verglich (weil ihm der nur allzu berechtigte Fragen gestellt hatte), ist der Teufel los zwischen Italien und Deutschland und in der ganzen EU.
Wie konnte so jemand zum reichsten Mann Italiens aufsteigen? Zum Ministerpräsidenten, der nun auch den EU-Vorsitz innehat? Was sind die Qualitäten des 66-jährigen "Cavaliere", der sich vom Staubsaugerverkäufer und Barpianisten hochgearbeitet hat? Wie kam Berlusconi zu seinem Imperium, und wie managt er es?
Silvio Berlusconi verfügt über ein Vermögen von sechs bis zehn Milliarden Euro. Seine Medienholding Fininvest machte im Jahr 2002 rund vier Milliarden Euro Umsatz. Insgesamt gehören dem Ministerpräsidenten rund 150 Firmen und Firmenbeteiligungen.
Wie kam Berlusconi zu so gewaltigem Reichtum und Macht? Auch hier soll eine famiglia die entscheidende Rolle gespielt haben. Sein Vater war Bankmanager in Mailand, das (abgeschlossene) Jusstudium finanzierte sich Jung Silvio als Staubsaugervertreter und mit Klavierklimpereien auf Kreuzfahrtschiffen. Daher stammt sein umwerfendes Verkaufstalent. Schließlich trat Berlusconi in eine Baufirma ein und schaffte es zum Geschäftsführer. Plötzlich war er selbständiger Unternehmer und zog Trabantenstädte hoch. Woher das Kapital kam, ist bis heute ungeklärt.
Berlusconis große Stärke als Unternehmer scheint das Erkennen von neuen, viel versprechenden Geschäftsmöglichkeiten zu sein. Anfang der sechziger Jahre war das der Bauboom in der exponenziell wachsenden Wirtschaftsmetropole Mailand. Ende der siebziger Jahre war es das Privatfernsehen. Berlusconi konterkarierte die damals unerträglich langweilige RAI mit seinem bis heute erfolgreichen Mix von intelligenzfreien Spielshows mit vielen hübschen, textilarmen Mädchen.
Berlusconis Aufstieg zum Medienzaren
Aber auch zum Aufbau eines privaten TV-Imperiums braucht man Kapital - und politische Beziehungen, weil die RAI damals noch ein Sendemonopol hatte. Die Beziehungen lieferte der zeitweilige Ministerpräsident und Chef der Sozialdemokraten, Bettino Craxi, der vor kurzem im tunesischen Exil starb, wohin er sich vor der Strafverfolgung wegen Korruption geflüchtet hatte.
Craxi verschaffte Berlusconi die notwendigen Lizenzen. Woher das Kapital kam, ist Gegenstand ungeheuerlicher Vermutungen. Es hält sich der Verdacht, dass Berlusconis Kapital von der famiglia (Mafia) kam und so auch seine weitere Expansion - Privat-TV, Finanzbeteiligungen - finanziert wurde. Indizien dafür gibt es zuhauf, vor allem die Aussagen reumütiger Mafiosi, die gestanden, die Cosa Nostra habe Berlusconi zu Beginn der neunziger Jahre als den kommenden, zu unterstützenden Mann ausgemacht.
Tatsächlich war damals die alte politische Ordnung Italiens unter Korruptionsvorwürfen zusammengebrochen. Berlusconi erschien mit seiner Bewegung Forza Italia (Vorwärts Italien) als neue, frische Kraft auf der politischen Bühne. Wobei wohl eines seiner Motive, in die Politik zu gehen, war, die laufende Strafverfolgung gegen ihn wirksam bekämpfen zu können.
Berlusconis Macht beruht einerseits auf seiner Medienmaschine und andererseits darauf, dass genügend italienische Wähler meinten und wohl auch meinen, ein Geschäftsmann könnte den Staat irgendwie effizienter lenken als unfähige Berufspolitiker.
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