Mittwoch, 9. Juli 2003

Keine Rettung: Konkurs über Augarten-Porzellan eröffnet!

  • Augarten schwer in Not: Aber es gibt prominente Interessenten!
  • Namen: Ex-Palmers-Vorstand Astrid Gilhofer, Androsch-Gruppe

Die Wiener Porzellanmanufaktur Augarten ist in Konkurs. Mittwoch Mittag wurde das Verfahren beim Wiener Handelsgericht eröffnet, teilte der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) mit. Am Montag hatte der Haupteigentümer, die B&C Holding der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), die Finanzierung der defizitären Manufaktur eingestellt.

Die Passiva betragen 13,2 Mio. Euro, die Aktiva werden mit 3,2 Mio. Euro angegeben. Rund 130 Mitarbeiter und 150 Gläubiger sind von dem Konkurs betroffen.

Das weitere Schicksal der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten ist derzeit völlig ungewiss. Zum Masseverwalter wurde der Wiener Rechtsanwalt Johannes Jaksch bestellt.

Die erste Gläubigerversammlung wurde für den 5. August angesetzt. Die Konkursforderungen müssen bis 11. September angemeldet werden. Die allgemeine Prüfungstagsatzung und die Berichtstagsatzung finden am 25. September 2003 im neuen Justizzentrum Wien-Mitte statt.

Prominente Augarten-Retter?
Die Mitarbeiter hoffen inständig auf die Rettung von Augarten. Und die Chancen, die drohende Insolvenz der traditionsreichen Wiener Porzellan-Manufaktur abzuwenden, scheinen intakt. Laut Branchen-Insidern gibt es prominente Interessenten! Unter anderem Ex-Palmers-Vorstand Astrid Gilhofer, die Androsch-Gruppe. Auch die Stadt Wien stellt Hilfe in Aussicht. Voraussichtlich noch in dieser Woche wird Konkurs angemeldet. Hinter den Kulissen laufen intensive Verhandlungen für ein Leben danach.

Dem Vernehmen nach gibt es eine Reihe prominenter Interessenten, die die Traditionsmarke haben wollen. Genannt wird unter anderem Ex-Palmers-Vorstand Astrid Gilhofer, die sich nach ihrem Ausscheiden aus dem Wäschekonzern mit einer hohen Abfertigung selbstständig gemacht hat. Als Interessenten werden weiters die Androsch-Gruppe und eine Wiener Immobilien-Firma genannt.

Stadt Wien stellt Hilfe in Aussicht
"Die Stadt ist im Hinblick auf die Tradition des Unternehmens bereit , Mittel in die Hand zu nehmen", sagte Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Sepp Rieder am Dienstag in einer Pressekonferenz. Möglich wären demnach unter anderem Hilfe für die Belegschaft, etwa in Form einer Stiftung. Ein laufender direkter Zuschuss sei aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht erlaubt, betonte der Ressortchef.

Grundlage für einen Fortbestand wäre ein Fortführungskonzept bzw. ein Partner - Rieder appellierte dabei an potenzielle Investoren. Ein Engagement der Stadt sei in diesem Ausmaß hingegen nicht denkbar: "Wir können das Unternehmen nicht führen."

Vom Bund verlangte Rieder, auf die bestehende Mietforderung zu verzichten. Denn laut Haupteigentümer, die B&C Holding GmbH, hat die Republik Österreich als Vermieterin der Betriebsstätte im Augarten zuletzt die Miete verachtfacht und für die vergangenen zwei Jahre eine Nachzahlung gefordert.

Wiener ÖVP schlägt der Stadt den Ankauf vor
Die Wr. ÖVP schlägt der Gemeinde Wien den Erwerb der angeschlagenen Porzellan-Manufaktur Augarten vor: "Die Stadt Wien könnte den Betrieb aus der Konkursmasse herauskaufen, ihn sanieren und sobald wieder schwarzen Zahlen geschrieben werden, Gewinn bringend verkaufen", meinte der ÖVP-Gemeinderats-Abgeordnete Alexander Neuhuber.
(APA/Red.)

9.7.2003 19:18