Dienstag, 8. Juli 2003

Zahl der Arbeitslosen in Deutschland auf 4,257.400 gesunken

  • TROTZDEM: Unbereinigt höchste Juni-Arbeitslosigkeit seit 1990
  • Viele Arbeitslose haben sich in "Nicht-Erwerbstätigkeit" abgemeldet

Die Zahl der in Deutschland registrierten Arbeitslosen ist im Juni unerwartet deutlich um rund 85.000 auf 4,257 Millionen zurück gegangen. Die unbereinigte Arbeitslosenquote ist von 10,4 auf 10,2 Prozent gefallen. Trotz des starken Rückgangs handelt es sich um die höchste Juni-Arbeitslosigkeit seit der deutschen Wiedervereinigung 1990. Auch wenn die Hartz-Reformen zu greifen scheinen.

Saisonbereinigt habe die Bundesanstalt für Arbeit (BA) einen überraschend hohen Rückgang um 33.000 Arbeitslose verzeichnet. Dies sei jedoch nicht einer wirtschaftlichen Belebung zu verdanken. Der Rückgang beruhe vielmehr besonders auf verstärkten Maßnahmen zur Aktivierung von Arbeitslosen - den so genannten Hartz-Reformen - und auf dem späten Ferienbeginn.

Banken-Volkswirte hatten mit einem Anstieg der bereinigten Zahl gerechnet und zeigten sich positiv überrascht. Die BA stellt die Arbeitsmarktstatistik am Vormittag vor.

Situation bleibt dramatisch
Der Rückgang der unbereinigten Arbeitslosenzahl von Mai auf Juni fiel so hoch aus wie seit fünf Jahren nicht mehr. Dennoch erreichte die Arbeitslosigkeit den höchsten Juni-Stand seit der Wiedervereinigung 1990.

Zahlen hinken
Maßgeblich für den deutlichen Rückgang war, dass sich außergewöhnlich viele Arbeitslose in Folge der Vermittlungsoffensive der Arbeitsämter in die Nicht-Erwerbstätigkeit abgemeldet haben. Zudem hätten die Sommerferien in keinem Bundesland vor dem Zähltag begonnen. Dadurch habe sich der im Sommer übliche Anstieg der Arbeitslosigkeit noch nicht eingestellt.

Keine Besserung
Analysten zeigten sich positiv überrascht, warnten aber davor, von einer Besserung am Arbeitsmarkt zu sprechen. Ralph Solveen von der Commerzbank sagte: "Das ist wirklich eine sehr positive Überraschung - mit der Konjunktur hat das aber leider nichts zu tun." Es gebe nur einen statistischen Effekt, weil sich viele Arbeitslose abgemeldet hätten.

Ich-AGs
Experten hatten im Schnitt saisonbereinigt eine Zunahme um 15.000 Erwerbslose erwartet. Unbereinigt war mit einem Rückgang um bis zu 40.000 gerechnet worden. Peter Meister von der ING BHF-Bank führte den Rückgang auch auf den Anstieg von Existenzgründungen von Arbeitslosen in Form von Ich-AGs zurück: "Das zeigt jetzt im Prinzip, dass das Hartz-Konzept teilweise zum Erfolg führt."
(apa, red)

8.7.2003 10:52