Freitag, 11. Juli 2003

Italien: Stefani geht! Er beschimpfte Deutsche als 'blonde Säufer'

  • Tourismus-Staatssekretär: "Ich liebe Deutschland!"
  • Schröder sagte Adria-Urlaub ab, Österreich umwirbt Deutsche

"Blonde Säufer"? Nein! "Ich liebe Deutschland!", beteuerte der italienische Tourismus-Staatssekretär Stefani und entschuldigte sich für seine Äußerungen über deutsche Touristen. Aber kurz darauf nahm er auch gleich den Hut! Freitag Abend ist Stefani von seinem Posten zurückgetreten. In einer Erklärung heißt es: "Teile meines Artikels in der Parteizeitung 'La Padania' haben in den letzten Tagen zu Verstimmungen im deutsch-italienischen Verhältnis geführt. Das tut mir leid, das war nicht meine Absicht".

Zur Erinnerung: Auslöser für die Eiszeit zwischen Italien und Deutschland sind folgende Vergleiche: Tourismus-Staatssekretär Stefani (Lega Nord) nannte die Deutschen wortwörtlich "einförmige, supernationalistische Blonde, die lärmend über unsere Strände herfallen" bezeichnet haben. Außerdem sei Deutschland "besoffen (...) von aufgeblasener Selbstgewissheit". Desweiteren wären die Deutschen ein "lärmender Pöbel" und würden "nach Bier- und Pommes-Gelagen Rülpswettbewerbe austragen"...

Die Empörung war so groß, dass Kanzler Schröder seinen Urlaub an der Adria absagte! Er macht mit seiner Familie Ferien in Hannover. Die knappe Reaktion von Berlusconi: "Das tut mir leid für ihn".

Stefanis späte Entschuldigung
"Ich liebe Deutschland. Wenn durch meine Worte bei vielen Deutschen Missverständnisse entstanden sind, möchte ich mich hiermit dafür vielmals entschuldigen". Stefani versicherte laut "Bild", dass die Deutschen in Italien stets willkommen seien. Sie seien vorbildliche Nachbarn und verlässliche Freunde. Der Staatssekretär ergänzte der Zeitung zufolge, er habe mit seinen umstrittenen Äußerungen lediglich jene kritisieren wollen, die "Italien und seine Regierung wieder und wieder in ein schlechtes Licht rücken", zitiert die Zeitung aus der Erklärung.

Stefani sagte gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur ANSA, er klebe nicht an seinem Stuhl. Unmittelbar vor Stefanis Rücktritt hatte Vizepremier Gianfranco Fini erklärt, er gehe davon aus, dass Ministerpräsident Silvio Berlusconi Stefani auffordern werde, sein Amt niederzulegen.

Stefani war zuvor auch aus den Reihen seiner Partei, der rechtsgerichteten Lega Nord, für seine Beschimpfung deutscher Touristen kritisiert worden. Am Freitag hatten zahlreiche Tourismus-Vertreter Stefani zum Rücktritt aufgefordert, weil sie Absagen von Urlaubern aus Deutschland befürchteten. (apa/red)

11.7.2003 21:06