Donnerstag, 10. Juli 2003

Zusammenstöße bei Demonstrationen im Iran

  • Anlass: Jahrestag der Studentenproteste von 1999
  • Teheran unterschreibt IAEO-Protokoll vorerst nicht

Mehrere zehntausend Menschen haben auch am vergangene Mittwoch in Teheran gegen die islamische Führung des Iran demonstriert. Nach Augenzeugenberichten riefen die Demonstranten vor der Universität im Stadtzentrum Parolen gegen das islamische Establishment und forderten eine Volksabstimmung über politische Veränderungen. Daraufhin seien sie von Islamisten angegriffen worden. Die Polizei nahm mehrere Menschen fest.

Vor genau vier Jahren hatte es ebenfalls große Studentenproteste gegeben. Damals war bei einem Überfall radikaler Milizen auf ein Studentenwohnheim in Teheran eine Person getötet worden. Eine Demonstration zum Jahrestag der Ereignisse am 9. Juli 1999 war bereits vor Wochen verboten worden.

Die Geistlichkeit hatte zudem die Feiern zur Erinnerung an den Tod von Fatimah, der Tochter des Propheten Mohammed, auf das Universitätsgelände verlegt. Auch deshalb befanden sich am Mittwoch viele militante Islamisten dort. Die Polizisten versuchten gewaltsam, sie an Prügeleien mit den demonstrierenden Studenten zu hindern.

Vor der abendlichen Demonstration hatte eine Studentenorganisation eine Pressekonferenz in Teheran abgehalten. Minuten nach deren Ende seien drei Mitglieder der Organisation von Zivilpolizisten festgenommen worden, sagte ein Studentenaktivist. Einer der später festgenommenen Redner hatte unter anderem die mangelnde Pressefreiheit kritisiert und beklagt, dass die von Staatspräsident Mohammad Khatami geplanten Reformen zum Stillstand gekommen seien.

Die iranische Justiz hatte in der vergangenen Woche bestätigt, dass bei den Unruhen im Juni insgesamt rund 4.000 Studenten und andere Bürger festgenommen wurden. Die Hälfte von ihnen seien noch in Haft und warteten auf ihren Prozess. Die Demonstranten hatten im Vormonat ebenfalls eine Volksabstimmung gefordert. (APA/red)

10.7.2003 08:12