12.000 Westdeutsche spionierten für die Stasi
Mindestens 12.000 Westdeutsche haben zwischen 1950 und 1989 für die Stasi spioniert. Davon seien schätzungsweise 3.500 bis zum Zusammenbruch der DDR für den Geheimdienst tätig gewesen, erklärte die Stasi-Akten-Behörde am Dienstag bei der Vorstellung der "Rosenholz"-Dateien, die weiteren Aufschluss über die Auslandsspionage geben sollen.
Die Westarbeit der Stasi wurde zuletzt von 10.000 DDR-Bürgern unterstützt. Insgesamt führte der Geheimdienst 1989 noch 173.000 inoffizielle Mitarbeiter in der DDR. Die "Rosenholz"-Dateien sollen eine der letzten Lücken bei der Erforschung der Stasi-Arbeit schließen, sagte die Stasi-Akten-Beauftragte Marianne Birthler.
Bei den Dateien handelt es sich um rund 350.000 elektronisch gespeicherte Karteikarten der für die Auslandsspionage zuständigen Hauptverwaltung A. Nach der Wende waren sie auf bisher ungeklärtem Weg an die CIA gelangt und in den vergangenen drei Jahren auf insgesamt 381 CD-ROMs an Deutschland zurückgegeben worden.
Birthler warnte davor, spektakuläre Enthüllungen von der Auswertung der Karteikarten zu erwarten. Die Westspionage in den letzten Jahren der DDR sei bereits weitgehend erforscht. Neue Erkenntnisse seien aber hinsichtlich der länger zurückliegenden Spionagefälle und der Inlandsarbeit der Hauptverwaltung A zu erwarten.
Strafrechtliche Konsequenzen aus der Erforschung des "Rosenholz"- Materials hält Birthler für unwahrscheinlich. Im vergangenen Jahr war die Verjährungsfrist für Spionagedelikte mit Ausnahme des schweren Landesverrats abgelaufen.
Die "Rosenholz"-Dateien könnten auch für die Überprüfung von Parlamentariern und Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes auf Stasi- Mitarbeit genutzt werden. Birthler kündigte eine solche Aktion für ihre eigene Behörde an, wollte aber keine generelle Empfehlung für einen solchen Schritt abgeben. (APA)
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