Montag, 7. Juli 2003

Nigerianische Polizei tötet zehn Demonstranten

  • Generalstreik geht in die zweite Woche
  • US-Präsident Bush wird Nigeria diese Woche besuchen

Die nigerianische Polizei hat nach Angaben des Gewerkschaftsführers Adams Oshiomhole am Montag in Lagos mindestens zehn Demonstranten getötet. Dies sei "verabscheuenswürdig und inakzeptabel", sagte er vor der Presse in Abuja. Die Polizei war zu keiner Stellungnahme bereit. Zu Beginn der zweiten Woche des Generalstreiks in Nigeria haben Demonstranten am Montag die wichtigsten Straßen von Lagos blockiert und damit den Verkehr in der größten Stadt des Landes nahezu lahm gelegt.

Die Ölausfuhren des weltweit achtgrößten Ölexporteurs waren von dem anhaltenden Ausstand aber nicht beeinträchtigt: Der Ölpreis lag kaum verändert bei rund 27,60 Dollar je Barrel (knapp 159 Liter).

Hoffnungen auf eine rasche Einigung zwischen Regierung und Gewerkschaften im Streit um eine drastische Benzinpreiserhöhung hatten sich am Wochenende zerschlagen und so erneut Sorgen vor Öl-Lieferengpässen genährt. Die Gewerkschaften hatten gedroht, den Streik notfalls auch auf die Öl-Verladestationen des Landes auszuweiten. Nigeria ist auch eine der Stationen der Afrika-Reise von US-Präsident George W. Bush in dieser Woche.

Die Demonstranten setzten in der 13-Millionen-Stadt Lagos zahlreiche Reifenstapel in Brand, um ihrem Unmut über die Benzinpreiserhöhung der Regierung Ausdruck zu verleihen. "Überall lodern Feuer", sagte Reuters-Fotograf George Esiri. Jugendliche skandierten Parolen, die sich gegen Präsident Olusegun Obasanjo richteten.

Obansanjo hatte im vergangenen Monat eine Benzinpreiserhöhung von über 50 Prozent angekündigt. Der nigerianische Gewerkschaftsbund NLC erklärte, den am 30. Juni begonnenen Streik fortzusetzen, bis Obansanjo den Benzinpreis wieder deutlich senke.

(apa)

7.7.2003 17:43