Dienstag, 8. Juli 2003

Neue FPÖ-Krise: Sonderparteitag in Tirol am 20. Juli

  • Zurückgetretene Vorstandsmitglieder erzwangen Einberufung

Der freiheitliche Landesobmann von Tirol, Willi Tilg, hat für Sonntag, den 20. Juli, einen außerordentlichen Landesparteitag einberufen, wie er am Mittwoch mitteilte. Bei diesem Parteitag werde er sich der Wiederwahl stellen. Tilg forderte seine Kritiker auf, gegen ihn zu kandidieren. Seinem Kontrahenten Gerald Hauser sprach Tilg in der Pressekonferenz jede Handschlagqualität ab.

Durch das Ausscheiden von sieben der 15 Vorstandsmitglieder ist die Einberufung eines außerordentlichen Landesparteitages erzwungen worden. Am 28. September finden in Tirol Landtagswahlen statt. Tilg begründete die Einberufung innerhalb von nur zwölf Tagen mit dem unmittelbar bevorstehenden Landtagswahltermin. Das kontaktierte Parteischiedsgericht, das als einziges das Statut auslegen dürfe, habe ihm diese Möglichkeit eingeräumt. Wer als Obmann am Parteitag kandidieren wolle, müsse dies bis Freitag, 11. Juli, 24.00 Uhr im Landesparteisekretariat anmelden.

Tilg sprach Hauser jede Handschlagqualität ab. Hauser habe "unwahre Behauptungen" aufgestellt. Sein Vorpreschen sei nicht mit Bundesparteiobmann Haupt abgesprochen. Die Mitgliedschaft des ausgeschlossenen Obmannes Christian Eberharters habe sich als falsch heraus gestellt. Hauser wolle nicht die Partei retten, sondern agiere nur aus Eigeninteresse. Die benötigten Delegiertenunterschriften für die Einberufung eines Parteitages seien "nicht einmal im Ansatz" erreicht worden. Der Rücktritt als Vorstandsmitglied sei "billigst und verwerflichst".

Ähnliches gelte auch für die Kufsteiner Bezirkschefin Edith Haller. Ihre Forderung nach dem 2. Listenplatz oder bei Nichterreichen dem Boykott eines ganzen Bezirkes sei "erpresserisch" gewesen, sagte Tilg. Unter anderem warf Tilg Haller vor, seinerzeit gegen den Willen der Partei nicht auf die alte Pensionsregelung für Nationalratsabgeordnete verzichtet zu haben.

Er werde sich "nicht durch Einzelpersonen" seine Aufbauarbeit ruinieren lassen, sagte Tilg. Hauser forderte er nachdrücklich auf, sich am Parteitag der Wahl zu stellen. Es könne nicht sein, dass jemand ständig aus der zweiten Reihe schieße, sich aber dann nicht der Verantwortung stelle. Als einen seiner Fehler bezeichnete Tilg, zu oft Kompromisse gemacht und den Konsens gesucht zu haben. (APA)

8.7.2003 11:05